Zart zerbrechliche Seelen-Stripteases
Die 131. Ausgabe der "Lichtungen" hat ihren den Schwerpunkt unter das Motto "Neue Literatur aus Paris" gestellt.

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GRAZ. Sie war bayerische Prinzessin, Kaiserin in Wien, magerwahnsüchtig und vom Schönheits- und Haarkult besessen. Die Autorinnen Sandra Gugic, Augusta Laar, Judith Pfeifer und Sophie Reyer zeigen Sisi in ihrem 2011 entworfenen, eindringlichen Sisi-Projekt als Migrantin, Dichterin und kulturelle Grenzgängerin. Gedichte und remixte Collagen als zart zerbrechliche Seelen-Stripteases. Aus Sophie Reyers ":Hänge Herz Haar": "Hängt mir doch das Haar auf. Bitte. Ich kann das Gewicht auf der Kopfhaut nicht mehr ertragen." Aus Sandra Gugics "Also bin ich": "Also bin ich verösterreicherungsgelangweilt ein Erziehungsfehler ein Herzrasen eine herziges kleines Mäderl Scheiße . . ."
In der schon traditionellen Literaturexpedition macht die neue Ausgabe von Markus Jaroschkas Lichtungen diesmal in Paris Station. Dem französischen Roman der Gegenwart bescheinigt der Wiener Universitätsprofessor Siegfried Loewe folgendes Leiden: das gravierende Problem der Quantität. Alleine 426 französische Romane weisen die Verlage aus, darunter 69 Debüts.
Mit einem Romanauszug von "Enjoy" legt dieFranzösin Solange Bied-Charreton einen mit Ironie gesalzenen Erstling vor: über das weltweit erfolgreiche soziale Netzwerk "Show You" und eine Hauptfigur, deren Leben der Bildschirm verstellt.
Noch einen Namen sollte man sich merken: Verena Mermer. Die 28-jährige Niederösterreicherin legt atemraubende und pointierte Kurzprosa vor: "die bösen überraschungen sind flach genug, um in den postkasten zu passen." Und im Kunstteil setzt Josef Wurm Zeichen im öffentlichen Raum. Und zu Wahlkampfzeiten.
JULIA SCHAFFERHOFER














