Dem Wesen der Zeit auf der Spur
Das Hauptmotiv von Jens Velling-Schürmann ist unsichtbar, lässt sich aber fabelhaft abbilden.

Foto © MUWA "Rothsee": Die Brandung eines Sees mutiert zum Wasserfall
GRAZ. Auch Eröffnungsredner Peter Weiermair war verblüfft. Das hatte der Autor zahlreicher Publikationen zur Fotografie noch nicht gesehen. Ein gutes Zeichen.
Der Verblüffer heißt Jens Velling-Schürmann. 1969 als Sohn der Besitzer einer Kunstpinsel-Fabrik geboren, in Oberammergau als Holzbildhauer ausgebildet und passionierter Erfinder. Etwa jener Kamera, mit der er die meisten Bilder der Ausstellung herstellte, die Weiermair im Grazer Museum der Wahrnehmung zu einer Spezialführung veranlasste. Das Spezielle am Gerät zur Herstellung ganz spezieller Lichtbilder: das Objektiv. Nur durch einen eintausendstel Millimeter breiten Spalt kann Licht einfallen. Das ermöglicht stundenlange Belichtungszeiten.
Womit das Hauptmotiv der Fotografie Velling-Schürmanns angesprochen ist: Zeit. Die breiten bis sehr breiten Bilder, die oftmals wie (abstrakte) Malerei wirken, zeigen Abläufe, sind aus unzähligen Momenten komponiert. Es gibt Fotos, die den Verlauf eines ganzen Tages in sich gespeichert haben. Dichte Konstrukte aus Bewegung und Licht beziehungsweise Stillstand und Dunkelheit.
Dabei ergeben sich auch überraschende Ansichten der Räume, auf welche die Kamera gerichtet ist. Bei der Arbeit "Rothsee" etwa wird die über einen längeren Zeitraum aufgenommene Brandung eines Sees zum mächtigen Wasserfall.
Zweiter Clou
Möglich macht das nicht nur das Objektiv. Der zweite Clou von Velling-Schürmanns Kamera ist, dass sich der analoge Film bewegt. Die Geschwindigkeit ist programmierbar und kann den jeweiligen Erfordernissen angepasst werden. Bei neuen Arbeiten bedient sich der Künstler digitaler Technik. Nicht nur, weil manche Filme, die er benutzt, nicht mehr hergestellt werden. Das in einem einzigen großformatigen Ausdruck komprimierte Jahres-Porträt des Gehsteigs vor seinem Atelier wäre analog nicht machbar.
Jens Velling-Schürmann. Bis 17. Februar 2013. Museum der Wahrnehmung, Graz, Friedrichgasse 41. www.muwa.at














