Dämonen und Engel ringen um eine Seele
Erstmals wagte sich der Musikverein an eine konzertante Opernaufführung: Giuseppe Verdis "Giovanna d'Arco".

Foto © MUSIKVEREIN/DORFER Jean-François Borras (oben) glänzte als Carlo bei der "halbszenischen" Aufführung von Verdis Oper "Giovanna d'Arco"
Sparwütige Kostenminimierer könnten ihn als Vorbild preisen. Temistocle Solera reduzierte, als er Friedrich Schillers "Jungfrau von Orleans" zum Opernlibretto umformte, deren Personal von 27 auf fünf Akteure. Auch deshalb ist sein Textbuch, das die klischeehafte Zeichnung der drei Protagonisten mit Unwahrscheinlichkeiten und Stilblüten garnierte, der Hauptgrund dafür, warum Giuseppe Verdis "Giovanna d'Arco" ein Mauerblümchendasein fristet.
Zum Beginn seiner 198. Saison begnügte sich der Musikverein für Steiermark bei der Grazer Erstaufführung von Verdis siebenter Oper mit projizierten Inhaltsangaben. Was Thomas Mittmann und Frieder Klein an Illustrationen und Lichteffekten zur "halbszenischen" Aufführung im Stephaniensaal beisteuerten, entbehrte bisweilen allerdings auch nicht lächerlicher Peinlichkeit.
Dennoch verdient dieser vorgezogene Auftakt zum Verdi-Jahr 2013 Respekt, weil er eine Partitur vorstellte, die beträchtliche Qualitäten besitzt. Zur melodischen Schlagkraft und den zündenden Rhythmen gesellt sich etwa die Überblendung der vom Harmonium begleiteten Chormelodien der Dämonen und der (dem Alt vorbehaltenen) Engel.
Am Pult des ORF Radio-Symphonieorchesters Wien bemühte sich Carlo Montanaro, die Juwelen der strichlos präsentierten Partitur funkeln zu lassen. Während er die kantablen Passagen flexibel begleitete, übertrieb er beim Versuch, Verdis heißen Atem mit zündendem Brio zu vermitteln. In den Stretta-Passagen zog er die Tempi so straff an, dass er der Musik den Atem abschnürte und rhythmisches Federn unmöglich machte. Dynamische Grobzeichnung verstärkte den unzutreffenden Eindruck, Verdi hätte 1845 vor allem dem Knalleffekt gehuldigt.
Elegante Phrasierung
Der Titelheldin, die bei Schiller und Verdi auf dem Schlachtfeld tödliche Verletzungen erleidet, lieh Maria Agresta einen höhensicheren Sopran, dem beseelte Piani ebenso zu Gebote stehen wie dramatische Attacken. Als Carlo, Frankreichs König Karl VII., glänzte Jean-François Borras mit tenoralem Schmelz und eleganter Phrasierungskunst. Gabriele Viviani protzte als Giovannas Vater Giacomo mit seinem imposanten Bariton, während der Chor der Grazer Oper sehr differenziert agierte.
"Giovanna d'Arco" von Giuseppe Verdi im Grazer Stephaniensaal: Heute, 19.45
Uhr. Karten: Tel. (0 31 6) 82 24 55.
Im Radio: 29. September, 19.30 Uhr, Ö 1.














