Sweet Rehlein, satte Gewinne
Mit Andreas Gabalier als Speerspitze erobert der Volksmusik-Schlager die Hitparaden und die Herzen der Massen. Aber warum ist das so?

Foto © Sabine HoffmannBegeisterte "Trachten-Frauen" in der ersten Reihe bei einem Konzert von Andreas Gabalier
Nervös glitzernde Discokugel und fiebrige Technoklänge - das war einmal. Jetzt ist "Trachtenfever" angesagt im städtischen Musiktempel. "Holt euer Dirndl oder eure Lederhose raus", animiert das Inserat. Geboten werden: fesche Madln, knackige Buam, ein Haselnussschnapserl zum Sonderpreis und als Höhepunkt der Auftritt von Schuahplattlern.
HvG im Interview
Die Zeiten, in denen volkstümliche Musik, Volksmusik-Schlager, Volks-Rock-and-Roll - oder wie auch immer die diversen Schubladen heißen mögen - nur in muffigen Bierzelten am Land zelebriert wurde, sind also längst vorbei. Ein Andreas Gabalier, der sich in den letzten beiden Jahren mit viel Charisma, Geschäftssinn und auch Talent zur omnipräsenten Speerspitze dieser Bewegung gemausert hat, füllt in den großen Städten die großen Hallen. Eine Andrea Berg verdrängt Rock-Dinosaurier wie Pink Floyd von der ewigen Charts-Liste. Und allen ist eines gemein: Früher von den Geschmacksfundamentalisten milde belächelt, heute wichtiger Wirtschaftsfaktor.
Zum Thema
Josef Adlmann, steirischer Musikpromoter, hat sie alle unter Vertrag: Nik P., Charly Brunner, Claudia Jung, Udo Wenders - und vor allem Andreas Gabalier. "Die meisten von diesen Künstlern gibt es schon sehr lange", sagt Adlmann. "Dass volkstümliche Musik sehr erfolgreich ist, ist also nicht neu". Neu sei hingegen das kommerzielle Massenphänomen. "Diese Künstler werden jetzt anders wahrgenommen. Viel breiter und quer durch alle Schichten. Was sie machen, trifft sich halt mit dem Zeitgeist". Eine Entwicklung, die den Geschäftsmann Adlmann natürlich freut, dennoch sieht der 50-Jährige diese Entwicklung auch durchaus kritisch: "Viele springen jetzt auf den Zug auf, weil sie merken, dass da gutes Geld zu machen ist".
Sweet Little Rehlein
Sehr gutes Geld sogar. Rund 700.000 CDs hat allein Andreas Gabalier in den letzten Jahren an die Frau, den Mann und das Kind gebracht, fast jeder zehnte Österreicher hat also ein "Sweet Little Rehlein" im Gehege. Der Anteil des volkstümlichen Schlagers beträgt in der heimischen Musiklandschaft 30 Prozent (55 Prozent Pop und Rock, 15 Prozent Klassik und Jazz). Außerdem greift diese Klientel auch in Zeiten der (legalen und illegalen) Downloads nach wie vor zur "Hardware", sprich zu den CDs, die vor allem bei den Konzerten neben anderen Merchandising-Produkten weggehen wie die Laugenbrezeln. Ein Gabalier-Autogramm auf einem Musikdownload ist halt schwer zu bewerkstelligen.
Aber nicht nur die Alten und Mittelalten grasen auf saftigen Almwiesen, auch die Jungen - für die bisher eher die New Yorker Bronx als musikalische Projektionsfläche diente - schlüpfen ungeniert ins Trachtengwand. Trackshittaz, wenngleich beim Songcontest mäßig erfolgreich, wackeln mit dem Lederhosenpopo, die Dialekt-Band "HMBC" aus Vorarlberg tschepperte erfolgreich "Von Mello bis ge Schoppornou", und "Die Vermummten", selbst ernannte Pioniere der "Slangsta"-Szene, wissen, dass "Rap (k)a Ponyhof" ist. Adlmann: "Volkstümliche Musik wird jetzt von Leuten produziert, die mit internationalen Stars zusammenarbeiten. Vielleicht ist sie auch deshalb bei den Jungen salonfähig geworden".
Features
Hurra, Heimat!
Geschichte
Die Dialektwelle in der österreichischen Populärmusik wurde nicht erst, wie oft behauptet, von Marianne Mendt mit ihrer "Glock'n" (Text: Gerhard Bronner) 1970 eingeläutet, die Worried Men Skiffle Group landete mit "Glaubst i bin bled" (Text: Konrad Bayer) bereits in den 60er-Jahren einen veritablen Hit in diesem Genre. Was später als "Austropop" in die Musikgeschichte einging, begann jedoch im Jahr 1971 mit "Da Hofa" (Text: Joesi Prokopetz) von Wolfgang Ambros.
Alternative
"Volksmusik" - also Musik aus dem und für das Volk - kann man auch nennen, was Willi Resetarits mit seinen kongenialen Stubenblues-Musikern macht. Tief geerdet, aber jenseits jeder kommerziellen Anbiederung, wühlt sich "der Willi" durch den großen Fundus des heimischen Liedguts und stößt dabei immer wieder auf die wunderbaren Kompositionen des Wiener Musikers Ernst Molden.















