Achtung, dieses Buch ist ansteckend!
In "Indigo" wird verschleiert, verwirrt und verwundert. Clemens J. Setz ist ein Suchtmittel.

Foto © FUCHS Setz' neuer Roman macht krank und süchtig
Keine Frage: Man kann das vierte, versatzstückartig verwobene Buch des preisgekrönten Grazers Clemens J. Setz auch in kleinen Dosen lesen. Einzige Voraussetzung: Man muss immun gegen exzellent wagemutige Prosa sein. Denn "Indigo" macht schlicht süchtig.
Ausgangspunkt des Romans ist die rätselhafte Indigo-Krankheit. Damit infizierte Kinder, abwertend auch "Dingos" genannt, lösen bei Mitmenschen Übelkeit, Kopfschmerzen oder Ohnmacht aus. Clemens Setz, diesmal nicht nur Autor, sondern auch Hauptfigur, entert die unsichere Welt dieser Kinder als Mathematiklehrer am Institut Helianau, wo er unter ungeklärten Umständen ausscheidet. Er spürt einzelnen Schicksalen nach, verflechtet die vielen Erzählstränge, als wären sie hoch komplexe Hochsteckfrisuren - und bleibt die Auflösung oft schuldig. In seinem experimentellen Erzählkosmos begegnet man daneben auch Amanda Palmer, Batman & Robin, J. F. Kennedy, Jay Vacanti oder dem einsamsten Baum oder der einsamsten Telefonzelle der Welt. Setz verschleiert, verwirrt, verunsichert und verwundert. Er springt zwischen Zukunft und Vergangenheit, legt Fährten aus, vielen kann man nicht folgen.
Das stört aber überhaupt nicht, denn eigentlich macht Setz genau das, was er beherrscht: Er spendet Bilder. Seite für Seite. Und Sätze, die ob ihrer Schönheit unheimlich werden. "Draußen war der Himmel so blau, dass man eine Stecknadel darin hätte fallen hören." Am Ende berichtet er vom Mond bei Tageslicht und einem Zögling und dessen "Gesicht mit dem halb offenstehenden Krater-Mund". So sehen Leser wohl aus, solche, die nicht immun gegen wagemutige Prosa sind, wenn sie das Buch zuklappen.
Features
Fakten
Clemens J. Setz ist auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises, der heuer zum achten Mal vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergeben wird - mit: Wolfgang Herrndorf ("Sand"), Ursula Krechel ("Landgericht"), Ernst Augustin ("Robinsons blaues Haus"), Stephan Thome ("Fliehkräfte"), Ulf Erdmann Ziegler ("Nichts Weißes").















