Einzelschicksal und Zeitgeschichte
"Vorgefühl der nahen Nacht" war der deutsche Titel von Laurent Seksiks erfolgreichem Roman "Les derniers jours de Stefan Zweig". Subtile Schilderung der letzten Monate des Schriftstellers und seiner Frau Lotte im brasilianischen Exil. "Die letzten Tage von Stefan Zweig", also wie Seksiks Buch im Original, heißt nun die Graphic Novel, die der Autor gemeinsam mit Zeichner Guillaume Sorel, einem der Großen der Comic-Branche, realisierte.
Gelungen ist ein textlich, vor allem aber in den Bildern überzeugendes Werk. Sorels virtuose Aquarelle fangen Stimmungen perfekt ein und erlauben den Blick nicht nur auf Rio und Petrópolis, wo die Zweigs am 23. Februar 1942 gemeinsam zum Gift griffen. Sorel schafft auch vortreffliche Tableaus aus dem Wien der Jahrhundertwende, führt ins Café Central und an andere Orte, wo sich ein blühendes Geistesleben entfaltete. Bis provinzielle Verengung und Nazi-Wahnsinn dem ein Ende bereiteten. Zeitgeschichte, die sich in Zweigs so erfolgreichem wie tragischem Leben eindringlich fokusiert. WALTER TITZ















