Literatur als Mittel der Befreiung
Das Schlüsselzitat lautet "Schmutzig bin ich, Milena, endlos schmutzig, darum mache ich auch ein so großes Geschrei mit der Reinheit." Was Saul Friedländer, unter anderem mit dem Pulitzerpreis ausgezeichneter Historiker, hinter dieser Selbstbeschuldigung Franz Kafkas in einem Brief an Milena Jesenska vermutet: der Autor von "Die Verwandlung", "Das Schloss", "Der Process" und weiterer Werke der Weltliteratur sei homosexuell (was schon zuvor vermutet wurde) und pädophil gewesen. Zumindest in Vorstellungen.
Friedländers Buch ist aber, wie bei einem Autor seines Ranges nicht anders zu erwarten, mehr geworden als eine spekulative Schmuddelschrift. Viel mehr. Letztlich legt der 1932 wie Kafka in Prag Geborene eine komplexe Biografie vor, eine Lebensbeschreibung, die vorrangig von den Texten ausgeht. Er macht das Leben eines Menschen plastisch, der sich gesellschaftlichen Zwängen durch die Schaffung eines einzigartigen Werks entzog. Vielleicht auch durch sexuelle Fantasien jenseits davon. WALTER TITZ















