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    Zuletzt aktualisiert: 13.09.2012 um 20:30 UhrKommentare

    Wladimir Kaminer: Ein Lob der Grimmigkeit

    Bestsellerautor Wladimir Kaminer liest am Freitagabend in Graz. Ein Telefongespräch über Punk, Protest und das geschriebene Land Russland.

    Ein Russe aus Berlin in Graz: Wladimir Kaminer liest aus neuem Buch

    Foto © KK Ein Russe aus Berlin in Graz: Wladimir Kaminer liest aus neuem Buch

    D er Erfolg des neuen Europa wird langfristig davon abhängen, ob wir es schaffen, mehr Sex zu haben, statt über Beschneidungen zu diskutieren" - so lautete Ihr letzter Twitter-Eintrag. Was regt Sie dabei so auf?

    WLADIMIR KAMINER: Das habe ich mir von der Seele schreiben müssen, in meiner Position als Russe, Deutscher und Jude. Wenn ich tage-, nein wochenlang klugen, erwachsenen Menschen zuhören muss, was man wem abschneiden darf und was nicht, dann ist das doch unglaublicher Quatsch! Gab es diese Diskussion eigentlich in Österreich auch?

    Ja.

    KAMINER: Wirklich? Die Österreicher sind doch vernünftige Menschen. So wird jedem etwas abgeschnitten: der Politik ein Stück von Respekt, der Kirche ein Stück Glauben und den Menschen ein Stück von gesundem Verstand.

    Sind Sie gläubig?

    KAMINER: Ja, aber mein Glaube an die Kirche wackelt. Nach dem unsäglichen Urteil gegen Pussy Riot scheint es, dass sich die russische Kirche sehr weit von ihrer eigenen Aufgabe entfernt hat.

    Apropos Pussy Riot: Drei Wochen sind seit dem Urteil über die russische Punkband vergangen. Welche Nachbeben erwarten Sie?

    KAMINER: Die Mädchen haben in 40 Sekunden Gesang politisch mehr bewegt als die Opposition in den letzten beiden Jahren. Ich denke nicht, dass sie erwartet haben, eine solche Revolution auszulösen. Alle Zeichen stehen auf Kampf.

    Sie waren ja an jenem Freitag in St. Petersburg ...

    KAMINER: Und ich musste viele Interviews geben: zum Urteil, dem Gericht und dazu, dass Putin Angst vor Punk und kleinen Mädchen hat. Und dass es jede Punkband als Ehrenpflicht ansehen muss, in einer Kirche zu spielen.

    Gibt es Konsequenzen, wenn Sie solche Aussagen tätigen?

    KAMINER: Bis jetzt noch nicht. Gott sei Dank. Mal sehen, was noch passieren wird.

    Sie leben seit 22 Jahren in Berlin. In Ihrem neuen Buch "Onkel Wanja kommt" schreiben Sie: "Inzwischen erobert die übertriebene westeuropäische Höflichkeit die russischen Gemüter." Ihres auch?

    KAMINER: Die russische Grimmigkeit ist nach wie vor ein großes Problem. Ich habe einen Text verfasst, Titel: "Die guten Gründe der Grimmigkeit der Russen." Den lese ich erstmals in Graz.

    Fühlen Sie sich deutsch?

    KAMINER: Was ist schon deutsch? Das hat sich hier stark verändert. Ich fühle mich als Europäer.

    Sie forderten einmal ein "Ausländerfach". Wozu?

    KAMINER: Damit junge Menschen lernen, sich nicht nur selbst in ihrem eigenen Saft zu Brei zu verkochen, sondern auch die große, weite Welt sehen. Der ganze Sinn dieser Welt liegt in ihrer Vielfalt und Vielschichtigkeit.

    Wie sähe Ihrer Ansicht nach ein Lehrplan über Russland aus?

    KAMINER: Erstens ist Russland nichts für Minderjährige. Zweitens müsste man sehr viel lesen. Russland ist ein geschriebenes Land. Wie Österreich auch.

    Die Kaminer Show. Freitag, 20 Uhr, Orpheum Graz. Tel. (0 31 6) 8008.

    INTERVIEW: JULIA SCHAFFERHOFER

    Fakten

    Wladimir Kaminer, geb. 1967 in Moskau, lebt seit 1990 als Autor und DJ in Berlin.

    Bücher: z. B. "Russendisko" (2000), "Liebesgrüße aus Deutschland" (2011), "Onkel Wanja kommt" (2012).

    Die Kaminer Show, Freitag, 20 Uhr, Orpheum. Tel. (0 31 6) 80 08.

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