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Zuletzt aktualisiert: 13.09.2012 um 18:59 UhrKommentare

The xx liefern ihr neues Album "Coexist"

Drei Jahre nach Veröffentlichung ihres Debüts gibt es jetzt das mit Hochspannung ersehnte zweite Album des Londoner Trios The xx auf die Ohren. Ein wahrer Hörgenuss für Freunde der melancholischen Töne. Von Melanie Gaugl.

Romy Madley Croft, Oliver Sim, Jamie Smith

Foto © Jamie James Medina / XL RecordingsRomy Madley Croft, Oliver Sim, Jamie Smith

Erstaunlich ist es schon, da spielt sich eine Band mit ihrem 2009 veröffentlichten Debütalbum still und heimlich aus dem Verborgenen in die Herzen einer breiteren Öffentlichkeit und schafft 2012 mit ihrem zweiten Werk den gleichen Stunt, nur mit einem etwas heftigeren Aufschlag. Mit Hochspannung wurde das zweite Werk ersehnt, doch trotz der hohen Erwartungen, die auf den Schultern des gerade dem Teenageralter entwachsenen Trios The xx lasteten, schafften sie mit "Coexist" einen erstaunlich angstfreien und frischen Anschluss. Glatte Punktlandung.

Wieder geht die Musik direkt unter die Haut, wiegt in zartbitterer Melancholie ohne aber jemals zu deprimieren. Beinahe spielerisch gelingt es The xx Leichtigkeit und Tiefgang miteinander zu vereinen und Romys zärtliche Stimme wird von Olivers tief-samtigem Gesang getragen. Wie auch das Debüt "xx" ist auch "Coexist" ein Werk, das in seiner gesamten Länge sowohl als exklusives, niemals langweiliges Hörvergnügen, als auch als unaufdringlicher Begleitsound (hier sei besonders eine romantische Verabredung zu empfehlen) zu zahlreichen Hörsituationen passt. Dennoch ist "Coexist" keine bloße Wiederholung des selbstbetitelten ersten Albums, sondern eher die logische Folge.

"Cystalized" aus dem Album "xx"


Fast romantisch sind die Wurzeln der jungen Londoner Musiker. Als Schulkollegen gründeten Romy Madley Croft und Oliver Sim im zarten Alter von nur 15 Jahren die Band. Kurze Zeit später wurden sie von Gitarristin Baria Qureshi verstärkt, die jedoch 2009 die Formation nicht ganz konfliktfrei wieder verließ. Erst 2006 stieß Jamie Smith hinzu. Im Sommer 2009 veröffentlichten The xx ihr Debütalbum und verbrachten anschließend viele Monate auf Tour, spielten vor Fans rund um den Erdball. Sie eroberten nicht nur große Festivalbühnen, sondern durften auch den begehrten Mercury Music Prize mit nach Hause nehmen. Nach diesen intensiven Zeiten zogen sich Romy, Oliver und Jamie zunächst ins private Leben zurück, trafen alte Freunde, bezogen neue Wohnungen. Jamie Smith widmete sich verstärkt seiner Tätigkeit als Produzent und DJ unter dem Namen Jamie xx. Romy und Oliver besuchten auf Festivals regelmäßig seine Auftritte, "als Groupies", wie Romy berichtet. Galt er bis dahin als das stillste der drei Bandmitglieder, wurde Jamie im Verlauf des Jahres 2011 zum Gesicht von The xx.

Ende 2011 begann die Arbeit an dem zweiten Album. Hierfür hatte Jamie Räume im Zentrum Londons aufgetan, die die Band zu ihrem persönlichen Studio ausbaute. Inmitten trister Bürobauten verwandelten sie die Räume in ein dunkles Kreativzentrum mit schwarzem Samt zur Schalldämmung an den Wänden und statteten es mit Piano, Schlagzeug und Studioequipment aus. Hier, räumlich getrennt von ihrem Label im Westen der Stadt und der pulsierenden Musikszene im Osten Londons, schrieben Romy, Oliver und Jamie Coexist.

"Chained" aus dem Album "Coexist"


Auf insgesamt elf Songs präsentieren The xx ihre melancholische Leidenschaft erwachsener und voller Selbstvertrauen. Textlich ist es ein Album über die Liebe und erzählt vom Rausch der Zuneigung und vom Trauma der Trennung. Während weiterhin Spuren von R&B im Sound von The xx zu finden sind, ist auch ein vermehrter Einfluss von elektronischer Musik spürbar. Ihnen gelingt der Drahtseilakt minimalistisch und bombastisch, zerbrechlich und tiefgreifend gleichzeitig zu sein, Ruhe auszudrücken und trotzdem zu bewegen.

Fazit: Worten alleine gelingt es nicht, das breite Spektrum zu beschreiben, den der zerbrechliche und gleichzeitig kraftvolle Sound von The xx bietet. Sie eröffnen auf "Coexist" Räume, in denen sich der Hörer verlieren kann, vielleicht auch in leidenschaftlichem, wenn auch minimalistischem Ausdruckstanz. Ein zweites Album auf dem sich wenig und gleichzeitig so vieles geändert hat.

9,9 / 10

MELANIE GAUGL

Foto

"Coexist"

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