Hochzeit in Niedertracht
Roland Schimmelpfennig inszeniert am Akademietheater "Der Komet" seiner Ehefrau Justine del Corte. Schwaches Stück, grandioses Ensemble.
J ohann Nestroy bläute uns über seinen Schuster Knieriem im "Lumpazivagabundus" nachhaltig ein, es sei kein gutes Omen, wenn der Komet kommt, weil dann "steht die Wöd nimma mehr laung". Wir Menschen des 21. Jahrhunderts lassen uns unser sorgloses Leben allerdings nicht verdrießen, wir bestehen auf Spaß, Spaß, Spaß.
"Ist es nicht schön, dass alles so ist wie damals?", freut sich eine andere Bühnenfigur in einem anderen Stück. Vor zehn Jahren feierten Arthur (Fabian Krüger) und Elisabeth (Sylvie Rohrer) Hochzeit, und nun ist in Justine del Cortes Tragikomödie "Der Komet" eine 1:1-Wiederholung des Ereignisses angesagt. Was spielt es da für eine Rolle, dass Lothar (Martin Schwab) bereits verstorben ist, die damalige Freundin von Gregor (Martin Reinke) ein Beziehungsaus dekretiert hat? Kunst darf ja alles: Also gibt es ein Lothar-Revival, und Gregors neue Freundin ist die Altersheimleiterin Dagmar (Petra Morzé). Natürlich gibt's jede Menge Situationskomik. Und wie bei jedem Fest im Theater kommen Unliebsamkeiten ans Tageslicht. Braut und Bräutigam etwa haben einander damals an ihrem angeblich "schönsten Tag im Leben" betrogen.
Das Problem dieses Stück der in Mexiko geborenen deutschen Autorin liegt vor allem darin, dass die Bühnenfiguren durch die Bank absolute emotionale und intellektuelle Flachwurzler sind und dass es einen zweiten Teil hat, der sich wie ein Strudelteig zieht. Die Genannten sowie Barbara Petritsch, Peter Knaack, Dorothee Hartinger, Corinna Kirchhoff und Anna Drexler erweisen sich jedoch als begnadete Komödianten, sonst wäre dieses theatralische Leichtgewicht in der Regie von Roland Schimmelpfenning schwer erträglich.
"Der Komet". Von Justine del Conte. 12. , 21., 24. September, 10., 15., 21. Oktober. Akademietheater Wien. Karten: Tel. (01) 513 15 13. www.burgtheater.at














