Harte Kritik am Tanz ums Goldene Kalb
Der Österreicher Ulrich Seidl erhielt für "Paradies: Glaube" den Spezialpreis der Jury, die das südkoreanische Drama "Pieta" von Ki-duk Kim mit dem Goldenen Löwen auszeichnete.
Ulrich Seidl darf zufrieden sein. Der Wiener Regisseur hatte bei seinem ersten Antreten im Wettbewerb des ältesten Filmfestivals der Welt für seine "Hundstage" den Großen Preis der Jury erhalten. Gestern heimste er bei den 69. Filmfestspielen von Venedig den Spezialpreis der Jury für "Paradies: Glaube" ein, einen aufsehenerregenden Film über eine von Maria Hofstätter gespielte Krankenschwester, die ihre Liebe zu Jesus bis ins Extrem treibt. Und empfindliche Gemüter auf die Barrikaden: Seidl erhielt eine Anzeige wegen Blasphemie. Noch vor der abendlichen Gala war der zweite Teil seiner "Paradies"-Trilogie mit dem kleinen CinemAvvenire Award bedacht worden.
Polarisierende Arbeit
"Wir freuen uns", gratulierte Fernsehdirektorin Kathrin Zechner, "dass eine vom ORF kofinanzierte Kinoproduktion ausgezeichnet worden ist. Dass konservativ-katholische Kreise Anstoß nehmen könnten, ist nicht überraschend. Das hat mit einem Fehlverständnis von Kunst zu tun. Bei aller Radikalität von Seidls meist polarisierender Arbeit: Es geht um die subtile Darstellung einer Person, die aufgrund einer scheiternden Ehe ihre Zuflucht in besonderer Religiosität sucht."
Seidl schwelgt im Glück: "Man kann sich nur gut fühlen, wenn man diesen Preis gewinnt", sagte er unmittelbar nach der Preisverleihung, "noch dazu mit einem nicht ganz leichten Film, wie ich meine." Die Anzeige wegen Blasphemie beunruhigt ihn kaum: "Ich bin der Meinung, dass da nichts dabei herauskommen wird. Aber natürlich ist es schön, dass die Qualität des Films nun vom Festival und von der Jury bestätigt worden ist."
Sieger wurde der Südkoreaner Ki-duk Kim: Seinem Drama "Pieta" erkannte die neunköpfige Jury unter dem Vorsitz von US-Regisseur Michael Mann mit dem Goldenen Löwen den Hauptpreis zu. Kims drastischer Film zeigt anhand eines brutalen Handlangers das erbarmungslose Abbild einer pervertierten Welt, in der das Geld zum höchsten Gut aufgestiegen ist.
Der Silberne Löwe für die beste Regie ging an den US-Amerikaner Paul Thomas Anderson, dessen Sektendrama "The Master" groß abräumte: Seine Hauptdarsteller Joaquin Phoenix und Philip Seymour Hoffman wurden als beste Schauspieler prämiert.
Zur besten Hauptdarstellerin wurde Hadas Yaron für "Fill the Void" gekürt, für das beste Drehbuch der Konkurrenz wurde der Franzose Olivier Assayas für "Après Mai" geehrt.















