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Zuletzt aktualisiert: 08.09.2012 um 20:30 UhrKommentare

Die Aufarbeitung des im Krieg erlittenen Traumas

Regisseur Claus Guth holt Claudio Monteverdis Oper "Il ritorno d'Ulisse in patria" von 1640 in unsere Gegenwart.

WIEN. Einen Buhorkan hatte Claus Guth mit seiner Inszenierung von Claudio Monteverdis "L'Orfeo" im Dezember im Theater an der Wien entfesselt. Seine Fortsetzung des Monteverdi-Zyklus mit "Il ritorno d'Ulisse" erntete jetzt hingegen ungetrübten Beifall, obwohl der Regisseur abermals einen antiken Stoff durchaus schlüssig in die Gegenwart verpflanzte.

Bei der "Heimkehr des Odysseus ins Vaterland" interessiert ihn weniger die Frage der Renaissance-Allegorie, wie der Mensch angesichts blinder Schicksalsmächte leben soll, sondern vor allem die Problematik des traumatisierten Kriegsheimkehrers. Das Werk mit dem Verzicht auf rund vierzig Minuten Musik für Nebenfiguren auf dieses Thema zuspitzend, führt er einen allmählichen Heilungsprozess vor. In seiner Version befindet sich Odysseus von Anfang an in den modernen, hohen Räumlichkeiten Penelopes, die Christian Schmidt als Palast auf die Drehbühne gestellt hat, und arbeitet hier seine Vergangenheit auf, erlebt in Albträumen Kriegsgräuel und Götterszenen. Und weil Odysseus im Libretto von Giacomo Badoaro an Minerva die Frage richtet, "Setzt man sich im Himmel Masken auf?", unterscheidet Schmidt die Bewohner des Olymps mit riesigen weißen Masken, Plastikmänteln und langen Stäben von den Menschen. Mit der für ihn typischen Genauigkeit der Personenführung zeigt Guth minutiös, wie Penelope und Odysseus nach zwei Jahrzehnten Trennung allmählich wieder zueinanderfinden.

Siegeszug

Im Theater an der Wien hatte anno 1971 mit der von Nikolaus Harnoncourt dirigierten Festwochenproduktion der moderne Siegeszug von Claudio Monteverdis 1640 in Venedig uraufgeführter Oper "Il ritorno d'Ulisse in patria" begonnen. Jetzt nutzte Christophe Rousset die fabelhafte Akustik des Theaters an der Wien, um das Werk mit einer 16-köpfigen Minimalbesetzung im Graben zu realisieren. Weil die einzige Quelle, eine in der Österreichischen Nationalbibliothek aufbewahrte Abschrift, abgesehen von einigen fünfstimmigen Ritornellen nur die Melodie- und die Bass-Stimme überliefert und keinerlei Hinweise auf die Instrumentierung aufweist, stehen dem Dirigenten alle Möglichkeiten offen. Rousset führt sein Ensemble "Les Talens Lyriques" zu einem sensiblen, fein nuancierten, trotz des Verzichts auf Posaunen oder Dulzian farbenreichen Spiel, das den Sängern und dem Wort den Vortritt lässt.

Auf der Bühne demonstriert ein von Delphine Galou als herber Penelope und Garry Magee als expressivem Odysseus angeführtes homogenes Ensemble ohne einzigen Schwachpunkt, wie viele Arten des sprechenden Singens und des gesungenen Sprechens es gibt.


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