Hinhauen auf die Ränder
Das Volkstheater Wien eröffnete die neue Spielzeit mit der deutschsprachigen Erstaufführung von Peter Turrinis "Der Riese vom Steinfeld".
Vor gut zehn Jahren wurde in der Wiener Staatsoper Friedrich Cerhas Oper "Der Riese vom Steinfeld" mit Thomas Hampson in der Titelrolle uraufgeführt. Peter Turrinis Libretto entstammt einer Version einer ausführlicheren Stückfassung. Diese ursprüngliche Sprechtheaterversion kam vor sieben Jahren in französischer Übersetzung durch Charlie Brozzoni und seiner Compagnie zur Uraufführung, dann gab es 2010 mit der vom Cirque Arsenic erstellten Inszenierung eine große Tournee durch Frankreich und Belgien. Nun im Volkstheater die deutschsprachige Erstaufführung. Regisseurin Stephanie Mohr arrangierte für die Geschichte des zu groß geratenen Bauernbuben, der sich nach Geborgenheit sehnt, eine permanente Schaustellerszenerie auf der ziemlich fleißig rotierenden Drehbühne.
Die verbürgte Geschichte eines weit über zwei Meter großen Burschen aus dem oberösterreichischen Grenzgebiet Ende des 19. Jahrhunderts streift Themen zwischen Außenseitertum, Schaulust und Zur-Schau-Stellung. Weder diese Strichfassung noch der Szenenrummel durchdringen den Wesenskern.
Jahrmarktsattraktion
Der vom Stadttheater Klagenfurt geholte Roman Schmelzer gibt einen grundsympathischen Kindskerl, der an seiner Mutter hängt (Claudia Sabitzer), mit XXX-Large-Übergröße weiter im Knabenchor singen möchte. Gehorsam stapft er auf seinen Kothurnen genau dorthin, wo ihn sein "Manager" Klammerschneider (Ronald Kuste) haben möchte: An den Hof des deutschen Kaisers Wilhelm II. (Kuste als Preußenkarikatur), der den Riesen gerne als Zuchtstier für eine neue Rasse hätte oder zu Queen Victoria (Sabitzer). Der unglückliche Riese als Attraktion und Geldquelle, die schließlich versiegt und in einen Wanderzirkus abgeschoben wird.
Bei einer kleinen Frau (ChrisTine Urspruch) findet der große Mann sein ersehntes Glück. Wie deren Austausch von Zärtlichkeiten, diese Intimität zweier Menschen jenseits des Durchschnittsmaßes auf der Bühne als Abnormität verkauft wird, gerät zum szenischen Ärgernis einer Inszenierung, die auf Trubel setzt und mit einigem Publikumsjubel, aber auch Buhs bedacht wurde.














