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Zuletzt aktualisiert: 08.09.2012 um 11:18 UhrKommentare

"Der Riese vom Steinfeld" im Volkstheater Wien

Foto © APA

"Der Riese vom Steinfeld": Zehn Jahre nach der Uraufführung der Oper von Friedrich Cerha und Peter Turrini und sieben Jahre nach der Uraufführung der Stückfassung in französischer Sprache kam die wahre Geschichte des Oberösterreichers Franz Winkelmeier (1860-1887), seinerzeit der größte Mann der Welt, gestern zur akklamierten Deutschsprachigen Erstaufführung.

Regisseurin Stephanie Mohr bringt einen Wanderzirkus auf die Bühne, der mit behutsamer Musikuntermalung und sanften Gesängen die Riesen-Story als Moritat darbringt. "Die behaarte Frau", "Der starke Mann" und der menschliche "Tanzbär" - das war die Umgebung, die man im 19. Jahrhundert für einen groß gewachsenen Menschen vorgesehen hatte. "Groß ist groß und groß ist schön", singt man immer wieder zu einer betörenden Melodie. Multi-Musiker und Sänger Kyrre Kvam ist ständig präsent, die Chorvereinigung Wien Neubau meldet sich aus einer Loge immer wieder zu Wort.

Der "Klammerschneider" (Ronald Kuste) wittert das große Geld und geht mit dem Riesen auf Reise. Er tingelt mit seinem Schützling durch die Jahrmärkte und Königshöfe Europas. Der Riese wird immer trauriger. Denn seine Träume sehen anders aus: Er möchte von der Dorfjugend nicht mehr verprügelt und als Mitglied des Steinfelder Knabenchors anerkannt werden, er möchte von seiner Mutter gehalten und getröstet und von der "kleinen Frau" geliebt werden. Und er möchte eine große Wiese besitzen, in der er sich ganz klein fühlen darf. Stattdessen wird er als Monstrosität vorgeführt.

Roman Schmelzer (mittels Kothurnen auf Gardemaß erhöht) gelingt es ganz vorzüglich, die Tragik dieses wahren Schicksals herauszuarbeiten. Er zeigt eine unschuldige Kinderseele in übergroßer Körperhülle und steht im Zentrum der intensivsten Szenen des Stücks: Wenn er mit der "kleinen Frau" (ChrisTine Urspruch in Originalgröße) die Liebe entdecken möchte, den deutschen Kaiser "Wilhelm Zwo" (in der Schwäche stark: Ronald Kuste) und dessen Übermensch-Fantasien als armseligen Popanz entlarvt und schließlich in den Armen seiner Mutter stirbt (Claudia Sabitzer ist schlicht und ergreifend), dann geht das zu Herzen.

Die mit 90 Minuten angenehm kurz geratene Aufführung ist nicht immer derart intensiv und auch nicht immer kurzweilig. Zu klar ist, wohin die Reise gehen wird, und zu offensichtlich ist die Haltung, die die heutige Gesellschaft dazu einnehmen soll. Dorthin, wo es wehtut, nämlich in die medialen Jahrmärkte und Schaustellereien von heute, in den Zwiespalt zwischen geforderter political correctness und realer Diskriminierung, weist der Abend nicht. Um ihn als Ganzes richtig annehmen zu können, benötigt man vermutlich ein großes Herz und eine kindliche Naivität. Wie "Der Riese vom Steinfeld" eben.

Quelle: APA

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