Diese Reise ist kein Spaß
Im Wiener Volksgarten kann man eine außergewöhnliche Produktion bestaunen: "fly ganymed" mit dem genialen Nikolaus Habjan.

Foto © APOMAT/ HELMUT WIMMER Nikolaus Habjan mit dem "Buben" im neuen Drama von Paulus Hochgatterer
Das Wiener Künstlerkollektiv "Wenn es soweit ist" ist Garant für außergewöhnliche Darbietungen: Im Vorjahr bespielte es gemeinsam mit Literaten das Kunsthistorische Museum. Titel: "Ganymed Boarding". Dafür bekam es verdientermaßen den Nestroypreis und den Kunstpreis der Bank Austria.
Aus einer damaligen Performance wurde nun ein Bühnenstück: "fly ganymed". Paulus Hochgatterer baute seinen Sketch um einen neunjährigen Vagabunden aus, gesellt ihm eine Gefährtin (Franziska Singer) und einen Schlepper (Peter Wolf) bei und einen Großvater (Joachim Bißmeier), der per Videoaufzeichnung mit ihm über das Leben diskutiert.
Das Ganze ist kein Spaß: Man trifft auf korrupte Grenzbeamte, ist latent sexueller Nötigung ausgesetzt und erlebt andere Fährnisse des Migrantenlebens.
Hochgatterers Text ist nicht immer einfach, vieles wird nur angedeutet, manches bleibt abstrakt. Dass "Der Bub" aber dennoch sehr reale Konturen gewinnt, ist wohl dem Umstand geschuldet, dass der Autor auch als Kinderpsychiater arbeitet und kleine Seelen kennt.
Atemlos
Das größte Verdienst am Gelingen des von Jacqueline Kornmüller inszenierten Abends aber kommt, wie schon damals im KHM, Nikolaus Habjan zu: Er spricht den Text des Buben und imaginiert selbigen mit einer Handpuppe in Mangaästhetik. Welches Leben, welche mimischen und motorischen Nuancen der erst 22-Jährige seinem Puppen-Buben einhaucht, macht einen zwischendurch atemlos. Hier wirkt ein Großer von morgen.
Dass er auch extrem textsicher ist, bewies Habjan in den oft rasch geführten Dialogen mit dem voraufgezeichneten Video-Opa. 60 Minuten währt der Abend, Jubel für die Uraufführung.
fly ganymed. Theseustempel, Volksgarten, 1010 Wien. Termine bis Mitte Oktober, 19 Uhr. Karten: 0676 537 11 40
groundswell. Performance zu Bildern von Edward Hopper mit Andrea Jonasson. Premiere: Sonntag, 19 Uhr ebenda.















