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    Zuletzt aktualisiert: 07.09.2012 um 20:30 UhrKommentare

    Clemens J. Setz: "Ich bin wie altes Brot"

    Mit "Indigo" legt der Grazer Autor Clemens J. Setz (29) sein mit Spannung erwartetes viertes Buch vor. Ein Gespräch über die Hauptfigur Clemens Setz, Geigerzähler und andere Obsessionen.

    "Man darf sich, wie James Joyce gesagt hat, nicht ungeschoren davon kommen lassen": Autor Clemens Setz über die Roman-Hauptfigur Clemens Setz

    Foto © FUCHS "Man darf sich, wie James Joyce gesagt hat, nicht ungeschoren davon kommen lassen": Autor Clemens Setz über die Roman-Hauptfigur Clemens Setz

    Herr Setz, am Montag erscheint Ihr Roman "Indigo" im Suhrkamp-Verlag, der für den Deutschen Buchpreis und für den Wilhelm-Raabe-Preis nominiert ist. Sind Sie nervös?

    CLEMENS SETZ: Nein, ich bin gespannt, was kommen wird. Das ist keine allgemeine Nervosität. Seit ich das Buch als physisches Objekt in der Hand habe, bin ich viel beruhigter und glücklicher. Es ist wunderschön geworden.

    Was macht Sie denn nervös?

    SETZ: Fliegen am nächsten Tag. Wenn man das Fenster aufmacht und es völlig still draußen ist mitten am Tag. Das ist unangenehm, das mag ich nicht. Oder wenn mein Knie wehtut, länger als drei Schritte, denke ich: Das wird eine langwierige Therapie! Meine Gelenke sind anfällig, meine Schulter kaputt. Ich bin wie altes Brot, das nur noch knirschen kann. Da könnten wir lange drüber reden.

    Ich habe Zeit.

    SETZ: Jedes Mal, wenn das Handy läutet, piepst der Geigerzähler Alarm. Jedes Mal kriege ich denselben Schreck. Leider habe ich ein Modell gekauft, das man nicht ausschalten kann. Die Steuerung ist sehr anfällig für Störungen durch elektromagnetische Felder.

    Ein Geigerzähler misst Radioaktivität. Wozu brauchen Sie so einen?

    SETZ: Ich habe sogar zwei. Ich habe mir gedacht, es wäre nicht schlecht, einen zu haben: zum Herummessen. Ich bin ein neugieriges Tier. Und ich wollte wissen, wie hoch die Strahlung im Flugzeug auf 11.000 Meter ist.

    Im neuen Buch "Indigo" heißt die Hauptfigur Clemens Setz. Warum?

    SETZ: Ich habe Teile als Geschichte aus der Ich-Perspektive begonnen. Hat nicht funktioniert. Es ist ein Hauptcharakterzug der Figur, dass sie überfordert und verwirrt ist, keinen schnellen analytischen Sherlock-Holmes-Durchblick hat. Das war so nah an mir, dass ich mir dachte: Sei doch ehrlich und benenn es nach dir! Genauso bin ich. Es war aber keine bewusste Entscheidung, sich über mich selbst lustig zu machen.

    Sie geizen in den Beschreibungen der Figur aber nicht mit Selbstironie.

    SETZ: Man darf sich, wie James Joyce gesagt hat, nicht ungeschoren davon kommen lassen. Ich vergleiche mich nicht mit ihm, aber man muss sich selber als Figur wahrnehmen, mit allen unerträglichen Eigenschaften. Es war eine Frage der Ehrlichkeit.

    War es für den Autor Setz schwierig, sich im Arbeitsprozess von der Figur Setz abzugrenzen?

    SETZ: Es gibt eine Gefahr, die Nabokov so schön beschrieben hat: Wenn man einer Figur zu viel autobiografisches Gewicht aufbürdet, ist es so, als würde man seine Katze, wenn man in Urlaub fährt, beim Nachbarn lassen und sie nie wieder abholen. Das ist irgendwie unfair. Ich habe wenig erfunden über mich, hatte kein Beichtbedürfnis. Und der Name ist doch ein super Figurenname.

    Warum?

    SETZ: Clemens für sanftmütig und Hase für Setz (Anm. zec heißt auf Kroatisch Hase). Das ist perfekt für die Figur, das hat ein bisschen Naivität und Verwirrtheit.

    Sie werden noch oft als Nachwuchsstar oder Wunderknabe gehandelt. Wie gehen Sie damit um?

    SETZ: Ich gehe damit gar nicht um. Vor Kurzem habe ich gelesen: "ehemaliges Wunderkind". Ich werde 30, dann hört das wohl auf.

    Sind Sie froh darüber?

    SETZ: Es ist schmeichelhaft gemeint. Es wäre überraschender, wenn es nicht so eine Inflation solcher Wörter geben würde. Jedes Buch ist ja, auf der Rückseite nachzulesen, ein Meisterwerk. Alles wird gelobt, alles wird auch vernichtet. Nur Kehlmann nie.

    Werden Sie im Alltag angeredet?

    SETZ: Gott sei Dank nicht. Nein! Das wäre nicht witzig.

    Sind Sie eitel?

    SETZ: Die Frage ist unfair. Wenn man Nein sagt, sagen alle: "Er gibt nicht zu, dass er eitel ist. So eine eitle Sau!". Wenn man Ja sagt, heißt es: "Siehst! Er gibt es sogar zu". Ich glaube, nicht eitler zu sein als durchschnittliche Leute. Eines fällt mir dazu noch ein.

    Bitte!

    SETZ: Ich schaue mich seit Jahren nicht mehr im Spiegel an. Ich rasiere mich mit Blick nach unten, mache nur einen kurzen Kontrollblick. Ich ziehe mich an und schaue nicht, wie es aussieht. Ich kämme mich auch nicht.

    Warum?

    SETZ: Man erhält eine wunderbare Sozialkorrektur, die Leute richten einen her. Sie sagen: "Wie schaust denn du schon wieder aus?" Dann ordnen sie den Kragen, streichen Haarsträhnen zurecht.

    Welche großen Ziele haben Sie?

    SETZ: Ein Buch, an dem ich schon ewig arbeite. Es ist inzwischen schon sehr lang, 1000 Seiten. Die Figuren haben bereits ein Leben und wollen fertig werden. Zudem recherchiere ich an einer historischen Erzählung über eine Person, die in den 40er-Jahren in Deutschland gelebt habt. Die Geschichte ist so wunderbar, wie auf dem Präsentierteller. Wenn ich daraus nichts machen kann, bin ich kein Erzähler.

    Und außerhalb der Literatur?

    SETZ: Es gibt immer wieder große Obsessionen, die sich in mir festsetzen, von denen ich besessen werde. Die können ein Ziel haben, haben aber meistens keines. Oft werde ich süchtig nach Situationen, Bildern, Themenbereichen.

    Sie sind auch Obertonsänger oder Hobbyzauberer. Wie schwer ist ein Leben mit Obsessionen?

    SETZ: Ich bin mir bewusst, dass es ein befristeter Zustand ist, dass ich mit dem Verfolgen der Obsessionen Geld verdienen darf und man nix Schlimmes daran findet. Man sagt: Oh, Schriftsteller, sehr gut! Das ist ein Glücksfall. Im Augenblick ist das möglich, das freut mich sehr.

    Hat die Figur dem Autor am Ende etwas mit auf den Weg gegeben?

    SETZ: Es ist ein Vogelschwarm an Dingen. Ein kleiner Effekt war, dass ich gemerkt habe, wie marginal, verschwindend, gleichgültig, unwichtig, gering ich bin. Wenn ich sterben sollte, ist die Welt in meinem Kopf weg. Aber dem Rest wird sie nicht abgehen.

    INTERVIEW: JULIA SCHAFFERHOFER

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