Saisonauftakt mit "Ulysses" im Theater an der Wien

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Es ist fürwahr keine leichte Aufgabe, den Ulysses, dieses Monsterwerk in 18 Episoden, die von James Joyce in ebenso vielen literarischen Stilen verfasst wurden, verknappt und dennoch der Vorlage angemessen auf die Bühne zu bringen. Zum Saisonauftakt im Theater an der Wien versuchten sich Karl Markovics, Corinna Harfouch und Nicholas Ofczarek am Donnerstagabend an dieser Aufgabe.
Begleitet wurden sie von der schottischen Perkussionistin Evelyn Glennie - und die musikalische Lesung hatte auch einige Höhepunkte zu bieten. Teils erzählerisch blumig, teils lautmalerisch, dann im direkten Dialog oder in schwierigen Monologen führten die Schauspielstars durch die irische Hauptstadt der Jahrhundertwende, die Bloom (Markovics) am 16. Juni 1904 odysseengleich, umgeben von Verführungen und Gefahren, schließlich doch nach Hause führt.
Ohne Kenntnis der Figuren und der Vorlage wäre man aber wohl ziemlich auf verlorenem Posten gewesen und hätte sich zwar an der unterhaltsamen Darbietung erfreuen dürfen, von der Geschichte selbst aber angesichts der außergewöhnlichen Sprache nicht mehr als einen Eindruck erhascht. Die Verknappung sorgt nicht nur für Verdaulichkeit in wenigen Stunden, sondern auch für poetische Distanz.
Nichtsdestotrotz offenbarte Markovics sein Können, mit nur geringen Veränderungen der Stimmlage oder der Körperhaltung unterschiedliche Stimmungen und Tageszeiten zu evozieren, und Ofczarek ging in seinem wachen und pointierten Stephen Dedalus völlig auf. Der gute Geist des Abends war jedoch Harfouch, die einerseits mit Wonne und Brillanz in ihre Rolle der Molly schlüpfte, gleichzeitig aber auch als aufmerksame Zuhörerin zwischen Literatur und Musik vermittelte.
Kurz nach 22 Uhr holten sich die vier Protagonisten schließlich den wohlverdienten Applaus für einen kurzweiligen und einmaligen Abend ab, der gleichsam als Vorbereitung für die erste Opernpremiere des Theaters an der Wien am Freitagabend diente. Odysseus kehrt dabei als Neuproduktion von Claudio Monteverdis "Il ritorno d'Ulisse in patria" in der Inszenierung von Claus Guth und unter der musikalischen Leitung von Christophe Rousset auf die Bühne des Hauses am Naschmarkt zurück. Auch dies verspricht ein spannender Abend zu werden.















