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Zuletzt aktualisiert: 06.09.2012 um 21:58 UhrKommentare

Wolfgang Waldner: "Ich will keine bequemen Künstler haben"

Neo-Kulturreferent Wolfgang Waldner (ÖVP) über die "willkürliche" Trennung von Hoch- und Volkskultur, die Freiheit der Kunst und den Blick hinter die Kulissen des Stadttheaters.

Foto © APA

Kulturattaché in Washington (1983-1987), Chef des Austrian Cultural Forum New York (1988-1999) und Leiter des Wiener MuseumsQuartiers (1999 bis 2011): Wolfgang Waldner ist ein profunder Kulturkenner. Nun hat der Diplomat das (Hoch-)Kulturreferat übernommen. Und gibt sich auch im ersten Interview äußerst diplomatisch.

Harald Dobernig beeilte sich via Aussendung mitzuteilen, er übergebe Ihnen ein "gut bestelltes Kulturhaus Kärnten". Was ist Ihr Eindruck?

WOLFGANG WALDNER: Ich werde mir dieses Haus natürlich gut anschauen. Ich habe mich mit Erika Napetschnig von der Kulturabteilung getroffen, aber bis zu den Problemen sind wir noch nicht vorgedrungen. Aber ich vermute, dass einiges zu tun sein wird.

In der nächsten Fragestunde des Landtags am Dienstag will FPK-Kultursprecher Gallo wissen, mit welchem Programm Sie als Hochkulturreferent des Landes starten.

WALDNER: Ich finde, die Anfrage ist ein guter Anlass, sich über die Definition zu unterhalten: Was ist denn Hochkultur? Die Unterscheidung zwischen Hoch- und Volkskultur ist willkürlich in die Diskussion geworfen.

Hätten Sie Probleme gehabt, beide Bereiche zu übernehmen?

WALDNER: Natürlich nicht. Ich komme vom Land und bin mit der Volkskultur aufgewachsen. Mein Vater war Jahrzehnte bei einem Gesangsverein, das waren meine ersten kulturellen Eindrücke. Später dann habe ich andere Kunstformen kennengelernt, etwa dank eines Wanderkinos, das einmal im Monat im Gemeindesaal von Dellach Louis-de-Funès-Filme gespielt hat.

Wissen Sie schon, wie das Referat budgetär aufgestellt ist?

WALDNER: Jetzt müssen wir einmal einen Kassasturz machen. Ich fürchte, dass bei den frei verfügbaren Mitteln nicht mehr so viel übrig sein wird, nächste oder übernächste Woche sollte ich Genaueres wissen. Sollte ich bei der Erstellung des nächsten Landesbudgets noch Kulturreferent sein, werde ich mich selbstverständlich dafür einsetzen, dass das Budget erhöht wird.

Gibt es schon erste Kulturtermine in Ihrem Kalender?

WALDNER: Heute zum Beispiel schaue ich bei der Eröffnung der Trigonale vorbei, nächste Woche bin ich bei der "Freischütz"-Premiere im Stadttheater. Das sind schöne Termine, Kultur ist ja Erlebnis und Genuss.

Dobernig hat die Eröffnung des Carinthischen Sommers geschwänzt, weil er "mit der Art des Intendanten" Thomas Daniel Schlee nicht einverstanden war. Wie wird Ihr Umgang mit kritischen Künstlern sein?

WALDNER: Ich will keine bequemen Künstler haben. Die Kunst muss aufzeigen, wo was falsch läuft, Künstler sehen gesellschaftliche Entwicklungen früher als andere Menschen und man darf nicht den Boten umbringen, wenn er die schlechte Nachricht bringt.

Kärntens Kulturschaffende müssen in den Dreijahresverträgen akzeptieren, dass sie ihre Förderungen verlieren könnten, wenn sie dem Ansehen Kärntens schaden. Was halten Sie davon?

WALDNER: Diese Klausel kenne ich nicht, aber die werde ich mir sicher genau anschauen. Für mich hat die Arbeit von Künstlern mit Freiheit von Kunst zu tun und die ist zu fördern.

Kärnten ist ja ein Land der großen Künstler. Gibt es jemanden, den Sie besonders schätzen?

WALDNER: Mich zieht es sehr zu den bildenden Künstlern, weil ich ein visueller Typ bin. Aber mein Bezug zur Kärntner Kultur ist schon sehr auch von der Literatur geprägt, von den Werken Ingeborg Bachmanns etwa. Ich gehöre auch zu denen, die den "Mann ohne Eigenschaften" fertig gelesen haben und derzeit lese ich gerade Maja Haderlaps "Engel des Vergessens".

Wie gut kennen Sie eigentlich das Stadttheater Klagenfurt?

WALDNER: Ich habe vor einem halben Jahr eine Hinter-den-Kulissen-Führung mitgemacht, weil mich die Strukturen immer sehr interessieren und ich war sehr beeindruckt von dem tollen, sehr professionellen Betrieb. Kürzlich habe ich so eine Führung auch in Salzburg vor Beginn der Festspiele mitgemacht, wo sie fünf Riesenproduktionen gleichzeitig vorbereiten und das ist natürlich alles überdimensioniert. Aber mich hat das Stadttheater Klagenfurt eigentlich mehr beeindruckt, weil es so kompakt war und doch so professionell.

USCHI LOIGGE, MARIANNE FISCHER

Zur Person

Wolfgang Waldner, geboren 1954 in Villach, Diplomat und Kulturmanager, seit Montag ÖVP-Landesrat in Kärnten.

Als Kulturreferent zuständig für Theater, Museen, Landesarchiv, Musik (außer Brauchtum, Volkskultur, Musikschulwerk).

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