Quoten-Sinkflug bei RTL: Trotz Abwärtstrend gelassen
Anke Schäferkordt, die Geschäftsführerin von RTL, lässt sich von sinkenden Quoten nicht beirren, sondern gewöhnt sich lieber an ein "anderes Niveau".

Foto © APAGeboren in Ostwestfalen, leitet Anke Schäferkordt seit September 2005 die Mediengruppe RTL Deutschland
Jammern auf hohem Niveau", nennt Anke Schäferkordt den Umstand, wenn sowohl von Journalisten als auch RTL-intern über den sinkenden Marktanteil gemosert wird. Bei 16,5 Prozent lag der deutsche Privatsender in den ersten sieben Monaten 2012. An seiner Marktführerschaft hat sich in der werberelevanten Zielgruppe nichts geändert, aber man befindet sich unter den Rekordjahren 2010 und 2011 - Tendenz sinkend.
Die Gründe für das nachlassende Interesse an RTL sind vielseitig: Die Quotenhits Fußball-EM und Olympische Spiele liefen bei ARD und ZDF, dazu kamen zahlreiche neue Sender: "Die fragmentieren den Markt, also fragmentiere dich selbst", hieß die Devise von RTL-Chefin Schäferkordt zu Jahresbeginn und seit 1. April macht der neue Kanal RTL Nitro "Fernsehen für Helden", sprich für Männer. Doch die 49-Jährige steht auch zu den von ihrem Sender produzierten Flops und nennt etwa "DSDS Kids". Ein Ablaufdatum für Castingshows sieht Schäferkordt dennoch nicht: "Etablierte Marken wie ,DSDS' oder ,Das Supertalent' können sich noch Jahre behaupten, vielleicht auf etwas anderem Niveau." Soll heißen, würde das neue "Supertalent" mit Thomas Gottschalk in der Jury die Quote von fast sechs Millionen Sehern und 30 Prozent Marktanteil aus dem Vorjahr im Herbst lediglich halten, fände Schäferkordt das "gigantisch, denn wir sehen sehr realistisch in die Welt". Folge eins der sechsten Staffel startet übrigens am 15. September.
Kein Patentrezept gibt es beim Serieneinkauf in den USA, wo sich RTL jüngst das Actionformat "Transporter" und die Neuauflage von "Dallas" gesichert hat: Was in Amerika ein TV-Hit ist, muss nicht zwingend hierzulande funktionieren: "Die Erfahrung zeigt, dass es ganz durcherzählte Formate in Deutschland schwerer haben", sagt Schäferkordt und verweist auf die Serien "24" oder "Lost" die auch in Österreich zwar Fans, aber kein großes Stammpublikum hatten.
"Tatort"-Fan
Als reine TV-Kundin ist sie mit RTL sehr zufrieden und schätzt vor allem "RTL aktuell", "Exklusiv" und "Gute Zeiten, schlechte Zeiten". Die ARD beneidet Schäferkordt um den "Tatort", ProSieben um alle Events mit Stefan Raab. Im ORF gefällt ihr die "humorige" Opernball-Übertragung.
Fix eingeplant hat die Managerin zu Jahresbeginn auch eine siebente Staffel des "Dschungelcamps". Gegen einen Teilnehmer aus Österreich hätte sie nichts: "Wenn er bekannt, aufgeschlossen und unterhaltsam ist . . ."














