Nicas für potenzielle Rebellen
Bilanz der Linzer Ars Electronica: Man fokussierte auf neue Formen politischer Kommunikation.
Das Ars Electronica Festival in Linz erforschte unter dem Motto "The Big Picture" Weltbilder der Zukunft. Mit Beiträgen aus Kunst und Wissenschaft wurden Perspektiven für eine durch neue Technologien im Wandel begriffene Welt ausgelotet. Die hohe Offenheit gegenüber digitaler Kunst demonstriert, dass sich dieser Wandel bereits vollzogen hat: Knapp 500 Künstler und 65.000 Besucher nahmen am Festival teil. Im Rahmen der Preisverleihung wurde ein Preisgeld von 117.500 Euro vergeben. Während die Ars in den vergangenen Jahren von Gen- und Biokunst geprägt war, dominierten heuer gesellschaftspolitische Inhalte.
Unser Lebensstil ist dank Google, Twitter& Co. zu einem Digitalen geworden. Jüngste Beispiele zeugen von der gezielten Verbreitung politisch motivierter Botschaften via Facebook. Im Rahmen des Prix Ars Electronica wurden nun auch sieben Arbeiten mit Goldenen Nicas prämiert, die sich auf unterschiedliche Weise mit der politischen Funktion des Internets auseinandersetzen.
Revolten online
So weist das ausgezeichnete Projekt "Syrian people know their way" auf die Rolle des Netzes in den jüngsten Entwicklungen im Bürgerkrieg hin, um die Lage der Syrer einer breiten Öffentlichkeit jenseits des klassischen Journalismus zugänglich zu machen.
Doch was passiert, wenn einer das Netz abdreht? Wenn Machthaber den freien Informationsfluss unterbrechen? Das mit dem Stipendium "the next idea" bedachte Projekt "qaul.net" versucht in diesem Fall, durch autonome Drahtlosnetzwerke für die nächste Revolution zu rüsten.
Eine weitere Preisträgerarbeit behandelt ein nicht weniger brisantes Thema: Die Vorratsdatenspeicherung. In Österreich wird diese seit April durchgeführt. Das Vertrauensverhältnis zwischen Staat und Bürgern wurde "einseitig gekündigt" bemerkt Gerfried Stocker, künstlerischer Leiter des Festivals.
In Estland, der Heimat des Künstlers Timo Toots, ist man uns hinsichtlich der Menge an gespeicherten Daten bereits weiter. Deshalb visualisiert seine in Sowjet-Ästhetik gehaltene Maschine "Memopol-2" die Daten auf möglichst abschreckende Weise: Das Einscannen eines Ausweises genügt, um eine Person vom Krankenregister bis zur Steuererklärung, von den Schulnoten bis zur Facebook-Soziometrie zu durchleuchten.
Gemeinschafts-Wolke
Die Klangwolke hatte heuer versucht, Zukunftsbilder zu visualisieren. Doch auch unter Verwendung aufwändigster Technologie will es noch immer noch nicht so ganz gelingen, die Natur zu unterwerfen: Aufgrund nur allzu realer Wolken, die sich über den Köpfen der Zukunftsvisionäre gebildet hatten, konnten unter anderem die eingeplanten Hubschrauber nicht starten. Bei all der scheinbaren Machbarkeit zeigt etwas so Einfaches wie das Wetter deren Grenzen auf. Ob das auch für das Big Picture von morgen gilt, wird sich zeigen.














