Hier kommt der Herr der Puppen
Mit "ParaNorman" läuft der bisher aufwändigste Stop-Motion-Film in unseren Kinos. Ein Gespräch mit Travis Knight, in dessen Studio Filmpuppen lebendig werden,

Foto © Studio
Sein Vater, Phil Knight, ist Gründer der Sportmarke Nike. Travis Knight (39) ist Gründer des Filmstudios Laika in Oregon, das auf Stop-Motion-Produktionen spezialisiert ist. Der erste abendfüllende Kinofilm "Coraline" war für den Oscar nominiert. Jetzt läuft der bisher aufwändigste Stop-Motion-Film, "ParaNorman", in unseren Kinos an. In 3-D. Stop Motion bedeutet, dass Puppen angefertigt werden, die im Inneren ein bewegbares Stahlgerüst haben. Jede kleinste Bewegung wird händisch ausgeführt. Oft dauert es ewig lang, bis eine Szene perfekt gelungen ist.
Es heißt, dass das Drehen jener Sequenz, in der Norman, der junge Held Ihres neuen Films, im Badezimmer vom Geist des Mr. Prenderghast aufgesucht wird, ein ganzes Jahr gedauert hat. Was erfordert das von Ihren Mitarbeitern?
TRAVIS KNIGHT: Endlose Geduld. Man muss dauernd mit höchster Konzentration bei der Sache sein. Rund 25 Animatoren kreieren für eine Sekunde Spieldauer 24 Bilder. Manchmal gibt es Nervenzusammenbrüche. Bei den Animatoren und bei den Puppen. Wir haben ein eigenes Puppen-Spital eingerichtet.
Zur Geschichte: Der elfjährige Norman kann nicht nur Geister der Verstorbenen sehen, sie reden auch mit ihm und nerven ihn weniger als die Erwachsenen. Eines Tages fallen Zombies über seine Heimatstadt her. Norman besitzt durch seine Gabe als einziger die Fähigkeit, die Attacke abzuwehren. Also eine Art Zombie-Film für Kinder. Fürchten sich die nicht?
KNIGHT: Nicht im geschützten Raum des Kinos, denke ich. Man kann den Kindern einiges zutrauen, so lange das Ganze mit Humor verbunden ist, mit positiver Botschaft und Menschlichkeit. In Norman finde ich viel von mir. Und unseren Mitarbeitern ist es ähnlich ergangen.
Was ist Ihr Ziel als Animator?
KNIGHT: Zu erreichen, dass das Publikum beim Zuschauen glaubt, dass da keine Puppen mehr sind, sondern lebendige Figuren.
Natürlich hat die Technik auch bei Stop Motion gewaltige Fortschritte gemacht, und man nützt heutzutage auch alle Möglichkeiten des Computers. Welche Veränderungen gab es denn in den letzten Jahren?
KNIGHT: Das kann ich Ihnen mit Zahlen gut verdeutlichen: Tim Burton erzeugte bei "Nightmare Before Christmas" 800 Gesichtsausdrücke. Bei "Coraline" hatten wir bereits 208.000. Und bei "ParaNorman" sind es noch mehr.
Stop Motion bleibt eine zeitgemäße Technik?
KNIGHT: Ja, denn sie hat Wärme, Charme und Magie.
Ihr Vater hatte sich dem Sport verschrieben?
KNIGHT: Ja, und ich habe oft den Kopf über seine Leidenschaft geschüttelt. Doch seit ich die Animationskunst für mich entdeckt habe, weiß auch ich, was Enthusiasmus ist.
Was ist Ihre Triebfeder bei der Animation?
KNIGHT: Es sind drei Dinge: Ich muss an das Material glauben. Ich muss an mein Team glauben. Und ich muss immer Angst haben - gesunde Angst. Auch wichtig: Unser Team besteht aus vielen jungen Leuten, die oft direkt von der Ausbildung kommen, manche hatten sogar vorher nie mit Animation zu tun.
Glauben Sie eigentlich persönlich an paranormale Dinge?
KNIGHT: Da bin ich skeptisch. Ich habe zwar schon viele verrückte Dinge erlebt, die ich nicht einordnen konnte. Aber ob die paranormal waren? Na, ich weiß nicht. INTERVIEW: LUIGI HEINRICH















