Lachen zwischen den Abgründen
Anhaltender Applaus von der Presse für Seidls Film.
VENEDIG. Wie heuer schon in Cannes sorgte Ulrich Seidl (59) nun auch in Venedig für den ersten Aufreger: Mit dem zweiten Teil seiner "Paradies"-Trilogie, versehen mit dem Zusatztitel "Glaube", widmet sich der Wiener Regisseur, Autor und Produzent einer streng katholischen Krankenschwester, die missionarisch von Haus zu Haus zieht und deren ägyptischer Mann nach längerer Abwesenheit plötzlich wieder bei ihr daheim auftaucht.
Anna Maria (Maria Hofstätter) wirkt anfangs noch wie frisch verliebt. Ihr im wahrsten Sinne des Wortes Angebeteter ist Jesus, für den sie sich vor dem Kreuz angesichts der Triebhaftigkeit der Menschen sogar selbst geißelt, mit dem sie im Lauf der Zeit aber auch eine lustvolle Beziehung verbindet - bis hin zum durchaus ungewöhnlichen sexuellen Kontakt.
Auch wenn die Konstellation konstruiert klingt, hat der beklemmende Film bei der Pressevorführung Donnerstagnacht doch zahlreiche Lacher und anhaltenden Applaus geerntet. Doch es wäre wohl kaum ein Werk des kontroversen Filmemachers, wenn die Lacher nicht im Hals stecken bleiben würden und sich nicht verstörende Ambivalenzen einschleichen und Abgründe auftun würden. Ob es für "Paradies: Glaube" unter 17 Konkurrenten zu einem Goldenen Löwen reicht, wird sich am 8. September herausstellen. DE















