Aufgeweckte Fackelträger
Keine Solisten, sondern originelle Band-Konzepte prägten das heurige Jazzfestival in Saalfelden. Ganz im Zeichen der Zeit.
Das Ritual roch verdächtig nach Weihrauch. Nach dem Verteilen der Lorbeerkränze durch die neue Moderation des Jazzfestivals im randvollen Congress von Saalfelden setzte mit einer Kurzandacht an die vor zwei Wochen verstorbene Chicagoer Jazzlegende Von Freeman ein neunköpfiges Starensemble zu einer zähen Aneinanderreihung von Einzelteilen an, deren einzige Absicht es schien, jeglichem Ensemblegeist den Einzug zu verweigern.
Muhal Richard Abrams' mit Spannung erwartete Experimental Band war jedenfalls eine fast lückenlose Enttäuschung, in der lediglich ein zirkulares Solo Roscoe Mitchells (altosax) sowie ein lockeres Terzett von Vibraphon, Marimba und Kontrabass den langatmigen Parcours durchbrachen.
Finden angesagte Höhepunkte bei diesem international renommierten Trendsetterfestival am Fuße des Steinernen Meeres mitunter also nicht statt, wird man abseits der Hauptbühne oft umso fündiger. Und bisweilen fördern die beliebten "Shortcuts" im Kunsthaus Nexus sogar kleine Sensationen zutage. Wie Zum Beispiel die österreichisch-deutsche Freundschaft "Weiße Wände", eine selten gelungene Verzahnung aus Wort und Ton, Fluxus und Free Jazz, Kafka und Post-Avantgarde mit geradezu synergetischen Effekten. Ein Trio wie aus einem Guss, aber hundertprozentig improvisiert.
Auf der Hauptbühne bewiesen indes das Quintett der restlos klischeefreien Gitarristin Mary Halvorson, die sperrige Combo "Ches Smith an These Arches" und das formidable Gerry Hemingway Quintet, dass sie zu den aufgewecktesten Fackelträgern der kontemporären US-Jazzimprovisation zählen. Vor allem war es das straff arrangierte Konzept von Drummer Hemingway, das für einen der Höhepunkte des 33. Jazzfestivals in Saalfelden sorgte.
Farbenpracht
Die Kastanien für die Jazzlegenden holte schließlich der mürrische Tenorsaxophonist Pharoah Sanders in einem langen Finalset aus dem Feuer. Sein recht kontroversiell besetztes Sextett "The Undergrounds", spirituell angetragen, aber offen auf allen Seiten, explodierte dank der leitenden Umsicht von Kornettist Rob Mazurek zu einem farbenprächtigen Jazzkosmos.
"Durchwachsen", wie uns Hälfte-Intendant Mario Steidl nach der vorangegangenen langen Nacht noch zuflüsterte, hört sich zum Glück anders an.















