Expedition ins eheliche Unglück
"Einige von uns kamen aus Nara und beteten dreimal täglich zu den Vorfahren. Einige von uns waren Bauerntöchter aus Yamaguchi, mit kräftigen Hangelenken und breiten Schultern. Einige von uns kamen aus Tokio und hatten schon alles gesehen. Die Jüngste von uns war zwölf und hatte noch nicht einmal die Regel". - Das lässt die japanischstämmige US-Autorin Julie Otsuka die Ich- Erzählerin sagen, die übrigens den ganzen Text über in der Wir-Form bleibt. Es geht um jene jungen Japanerinnen, die nach dem Ersten Weltkrieg, per Katalog angepriesen, in die USA emigrierte Landsmänner heirateten. Den wenigsten von ihnen war dabei ein persönliches Glück beschieden und zumal ihre Männer der untersten Arbeiterschicht angehörten, auch kaum ein materielles Wohlleben.
Julie Otsukas Textführung hat eine Magie, die man mit Agota Kristofs "Das Große Heft" vergleichen könnte. Historisch offenbar korrekt recherchiert wird hier ein melancholischer Hymnus angestimmt, der einen schier atemlos macht. Eine stilistische Wendung am Schluss macht das Kunstwerk perfekt.
FRIDO HÜTTER















