Beethoven statt eines Jubilars
Pianist Leif Ove Andsnes statt Krystian Zimerman.
SALZBURG. Markus Hinterhäuser, über lange Jahre höchst erfolgreicher Konzertdirektor der Festspiele und auch überzeugender interimistischer Intendant, war ja - warum auch immer - nicht gut genug für die Weiterführung der Salzburger Festspiele. Dieser Tage sah sich der 53-jährige Pianist, inzwischen ja designierter Leiter der Wiener Festwochen, an seiner ehemaligen Wirkungsstätte um. Er ist vermutlich nicht der Typ, aber vielleicht freut sich Hinterhäuser doch, dass Alexander Pereiras heuriges Konzertprogramm wegen mangelnder Stringenz von den Medien ordentlich gezaust wird.
Dass eine programmatische Idee ins Wasser fiel, dafür konnte Pereira allerdings nichts: Krystian Zimerman wird zwar am 29. August mit dem Cleveland Orchestra unter Franz Welser-Möst Witold Lutoslawskis Klavierkonzert interpretieren, der polnische Pianist musste aber aus Krankheitsgründen sein Recital absagen, das er ganz Claude Debussy zu dessen 150. Geburtstag gewidmet hätte.
Ersatz war mit Leif Ove Andsnes rasch gefunden. Der norwegische Pianist konnte als Einspringer seine Weltklasse im Großen Festspielhaus allerdings mehrheitlich nicht wirklich ausspielen. Von der Bühnenpräsenz her der Kontrapunkt zu Tastenberserkern wie etwa Lang Lang, gerieten dem 42-Jährigen Beethovens Sonaten Nr. 21 ("Waldstein") und Nr. 22 doch eher anämisch. Und auch bei Chopin im zweiten Part fand Andsnes, kristallklar im Klang, erst zum Finale in Balladen und einer Nocturne zu seelenvoller Gestaltung. Wie auch in einer der Draufgaben, mit der das Geburtstagskind doch noch gewürdigt wurde: Debussys "Hommage à Rameau" in wunderbar verhangenem Ton.
MICHAEL TSCHIDA















