Gefesselt in Minimundus
In Kafkas "Schloss" wird der Mensch zur Marionette dunkler Mächte. Folgerichtig zeigen die Salzburger Festspiele die Romanfiguren als Puppen.
Die Fesseln der gequälten Menschheit sind aus Kanzleipapier", wusste Franz Kafka. In einem seiner drei unvollendeten Romane, "Das Schloss" aus 1922, wird diese Art der Demütigung besonders deutlich. Darin schildert er ja den aussichtslosen Kampf des Landvermessers K. um Arbeit und Anerkennung durch ein mysteriöses Schloss und dessen noch mysteriöseren Vertretern.
"Ein Machtspielchen" nennen Thalias Kompagnons aus Nürnberg ihre Bühnenversion "Kafkas Schloss" bei den Salzburger Festspielen im Untertitel, die Verniedlichung ist allerdings nur auf ihre Darsteller gemünzt: Holzpuppen, gerade einmal handgroß. Aber deren Ohnmacht scheint deswegen um nichts kleiner. Dem Regisseur und Puppenspieler Tristan Vogt (48) genügen ein Tisch, ein Sessel, ein Aktenschrank als Requisitenfundus. Allein auf der Bühne des Salzburger Schauspielhauses, spricht er behände alle Rollen und lässt seine Figuren durch ein fremd bestimmtes Leben mäandern.
Das geschieht mit einigem Witz, ernst bleibt es dennoch in diesem Minimundus der Unterdrückten für K., den "Überzähligen", der trotz Rebellion mit seinem (Holz-)Kopf durch keine Wand des Widerstandes kommt. "Kafkas Schloss": noch heute, 19.30 Uhr, Schauspielhaus Salzburg. Karten: Tel. (0 66 2) 8045-500. www.salzburgfestival.at














