Heimspiel mit düsteren Sportstücken
Giséle Vienne und etwas "herbst" in Salzburg.
SALZBURG. Giséle Vienne zeigt beim Young Directors Project zwei thematisch ähnliche "Sportstücke" - quasi in halben Heimspielen, stammt doch die Mutter der 42-jährigen Grenoblerin aus Saalfelden. "Spirituelle Erfahrungen machen" solle man aus ihren düsteren Inszenierungen, wünscht sich die Französin. Nun ja. In "Éternelle Idole" aus 2009 spielt Aurore Ponomarenko sich selbst: Die Eiskunstläuferin, der vor Olympia 2006 der Duopartner abhandenkam, stürzte damals in Depressionen. In einer von jungen Schlittschuhläuferinnen und Spielern des EC Oilers ergänzten Choreographie zeigt Vienne in der Eisarena anhand Ponomarenkos Geschichte, wie die Suche nach Perfektion in Angst, Schmerz und Leere mündet.
Ähnliches gilt auch für "This is how you will disappear", wo sich Bodenturnerin Margrét Gudjónsdottir im sauren Hochwald marionettengleich quält und später ein frustrierter Rockstar im Klangrauschen durchs Unterholz torkelt. Das Werk, eine Art Adalbert Stifter für Apokalyptiker, wurde 2010 samt echter Eule, echtem Bussard schon beim steirischen herbst präsentiert und hinterließ auch im "republic" den Eindruck: Viel Lärm (und Nebel) um nichts. Was David Lynch in drei Filmsekunden erzählt, dazu braucht Giséle Vienne 90 Theaterminuten: Das Leben ist ein Albtraum und unter seiner Oberfläche gärt es ständig. Aber das ist ja beim Topfen auch so. MICHAEL TSCHIDA
Noch morgen und übermorgen , jeweils 18 Uhr (Eisarena) und 20.30 Uhr (republic). Karten: Tel. (0 66 2) 8045-500. www.salzburgfestival.at















