Ambivalenter Auftakt der Ruhrtriennale
Hohe Erwartungen befrachteten die heurige Eröffnung der Ruhrtriennale. Ein neuer Intendant gibt seine Visitenkarte ab: Heiner Goebbels. Der Komponist und Regisseur hat nicht nur ein höchst selten gespieltes Werk auf den Spielplan in Bochum gesetzt, John Cages "Europeras 1 & 2", er führte auch noch selbst Regie.
Goebbels, der während der Studentenrebellion das "Sogenannte linksradikale Blasorchester" mitgründete, gilt als radikaler Neuerer. An John Cage zu dessen 100. Geburtstag zu erinnern, war da nur konsequent.
"Europeras" ist ein Wortspiel. John Cage (1912-1992), ein Künstler, der verschiedene Kunstarten beherrschte und miteinander verschmolz, liebte Scherze. Man kann "Europeras" als "Eure Opern" verstehen, aber auch als "Europas Opern". Cage hat sie schön zugerichtet. Die Geschichten sind weg, der Dirigent verbannt, das Orchester auf gerade einmal 30 Mann geschrumpft.
Diesen heiteren Grundgestus nimmt Goebbels in seine Inszenierung auf: Nichts passt zusammen. Das Orchester besteht aus Solisten, jeder spielt seinen eigenen Part, unabgestimmt mit den Kollegen und den Sängern. Bühnenbilder werden von einem Heer von Assistenten wie willkürlich auf- und abgebaut, jede Handlung, jede Spannung ist verbannt. Einmal geht der Vorhang zu und unterbricht den Auftritt eines Sängers. Ein Scheinwerfer erhellt den Vorhang, aber er beleuchtet keinen Darsteller - der Spot bleibt als Effekt für sich. Die Einzelkünste, die sich sonst der Musik, der Fabel unterordnen, emanzipieren sich und treten in Wettbewerb, wer die größte Aufmerksamkeit für sich verbuchen kann.
In Goebbels' Inszenierung siegen die Kostüme. Florence von Gerkan hat einem Bass die prachtvolle Robe von Königin Elisabeth I. angepasst, ein anderer Darsteller tritt als Ludwig XIV. im goldstrotzenden Gewand eines griechischen Gottes auf, samt federgeschmücktem Kopfputz. Prunk und Protz der Oper werden durch den Kakao gezogen - aber das Publikum lacht kaum. Auch der graziöse Auftritt eines athletischen Tänzers im Tutu, den er sich von einer Kollegin ausgeborgt hat, erzeugt keine Heiterkeit. Das Publikum scheint eher befremdet - die Bühnenscherze zünden zu selten.
Allerdings wirkt Goebbels versöhnlicher als Cage. Hätte Goebbels Cages Attacken beherzter umgesetzt, wären sie mutmaßlich wirksamer geworden. So endete der Schlussbeifall relativ rasch. Goebbels' Inszenierung, in vielen Ideen brillant und geistreich, blieb hinter den hohen Erwartungen zurück.














