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Zuletzt aktualisiert: 18.08.2012 um 20:30 UhrKommentare

Auch Glück schützt vor Krisen nicht

In der neuen Version von "Totall Recall" spielt Colin Farrell die Rolle, mit der Arnold Schwarzenegger Erfolg hatte. Ein Gespräch über Remakes, Alkohol, Küsse und Ohrfeigen.

Für Regisseur Paul Verhoeven und Hauptakteur Arnold Schwarzenegger war es, vor zwei Jahrzehnten, einer ihrer besten Filme. Nun hat Len Wiseman ("Underworld", "Die Hard 4") "Total Recall" neu gedreht. Mit dem Iren Colin Farrell, 36, in der Hauptrolle. Das Remake läuft ab 23. August in den heimischen Kinos.

Herr Farrell, haben Sie lange überlegt, Ja zu sagen?

COLIN FARRELL: Ich war zunächst sehr skeptisch, weil mir Verhoevens Film unglaublich gut gefallen hatte. Ich habe ihn mir mehrere Mal angeschaut.

Was hat Sie überzeugt?

FARRELL: Die Lektüre des Drehbuchs. Es hielt sich enger an die Original-Vorlage, eine Kurzgeschichte von Philip K. Dick, und der Grundton war ein ganz anderer. Heute kann ich auch sagen: Bei uns geht es sehr hart zu, doch der damalige Film war viel brutaler. Da ist in einigen Szenen das Blut nur so über die Leinwand gespritzt.

Haben Sie sich vor Drehbeginn mit Arnold Schwarzenegger unterhalten?

FARRELL: Nein, ich habe keine Begegnung gesucht, denn das hätte unter Umständen die Meinung genährt, ich sei nun Arnies Klon. Genau das wollte ich nicht sein.

Was halten Sie generell von Remakes?

FARRELL: Es gibt viele tolle Originalgeschichten. Jahre später werden sie noch einmal verfilmt. Man glaubt immer, die zweite Fassung könne nie so gut werden wie der erste. Und dann werden wir immer wieder überrascht. Mir fällt da zum Beispiel "Die Fliege" ein. David Cronenbergs Neuversion war doch ganz toll. Das passiert immer wieder. Für Hollywood sind die Beweggründe sehr einfach. In der dortigen Filmindustrie geht es vor allem um Eines, ums Geld. Warum also eine gute Idee nicht noch einmal ausschlachten?

In "Total Recall" ist die Welt nach einem Krieg mit chemischen Waffen nahezu zerstört. Es gibt nur noch ein großes britannisches Reich und die sogenannte "Kolonie". Der erste Film hatte auch den Mars zum Schauplatz. Der wurde diesmal weggelassen. Warum?

FARRELL: In der Kurzgeschichte von Philip K. Dick kommt der Mars auch nicht vor. Wenn man auf der Erde bleibt, kann man die Hauptfigur ganz andere Dinge erleben lassen.

Fänden Sie die Idee reizvoll, mithilfe modernster Technik eine Reise in ein anderes Ich antreten zu können?

FARRELL: Der Mensch ist immer damit beschäftigt, sich selbst einzuschätzen und zu taxieren. Das ist so weit in Ordnung. Doch Erinnerungen und das Gedächtnis zu manipulieren, das wäre nicht gut. Stellen Sie sich vor, da sitzt einer, vielleicht auch noch besoffen, und ordnet an: "Give me another fucking memory!", "Gebt mir eine anderes verdammtes Gedächtnis!" Das wäre ziemlich schlimm.

Ihr Vater war Fußballer beim irischen Klub Shamrock Rovers. Hatten Sie nie an eine Karriere als Fußballer gedacht?

FARRELL: Nein. Zu viel Bier.

Apropos Bier. Im Vorfeld Ihrer jetzigen Welttour für "Total Recall" haben Sie ordentlich Ihre Sünden gebeichtet.

FARRELL: Kann man so sagen.

Es gab Geständnisse über schlimme Jahre mit Alkohol und Drogen aller Art, den erfolgreichen Entzug ab August 2006. Dabei haben Sie mit Ihrer Karriere viel Glück gehabt. Kevin Spacey hat Sie am Theater entdeckt, Hollywood hat Sie gerufen. Auf einmal waren Sie ein Star, spielten unter Steven Spielberg mit Tom Cruise, in "Minority Report", waren bei Oliver Stone Alexander der Große. Unglücklich können Sie also nicht gewesen sein. Wie schlittert man dann in eine solche Krise.

FARRELL: Also ich würde liebe erzählen, wie man in keine solche Krise schlittert.

War Hollywood schuld daran?

FARRELL: Das wäre eine zu billige Ausrede. Wenn einer eine Krise durchmacht, dann gibt es zuallererst nur einen Schuldigen - ihn selbst. Höchstens noch die Gesellschaft, mit der er sich um- und abgibt.

Und wie kommt man da wieder raus?

FARRELL: Indem man seine Ängste erkennt und sie zugibt. In dem Moment, wo du sie erkennst, verlieren sie ihre Macht.

Im Film ist die bildschöne Kate Beckinsale Ihre Ehefrau, die aber plötzlich zum Albtraum wird. Mit Kate haben Sie intensive Liebesszenen, aber Sie liefern sich auch brutale Schlägereien. Privat ist sie mit "Total Recall"-Regisseur Len Wiseman verheiratet. Ein Problem?

FARRELL: Nun, man kann natrürlich sagen, man ist Schauspieler. Ein Kuss ist aber ein Kuss. In dieser Konstellation fühlt man sich nicht behaglich, zumindest ist das bei mir so. Und mir ist aufgefallen: sehr oft hat Len solche Szenen nicht wiederholen lassen. Immerhin hatte er ja alles unter Kontrolle. Schlimm wäre es nur gewesen, wenn mir bei unseren Schlägereien die Hand ausgerutscht wäre. Die Frau des Chefs ohrfeigen und sie womöglich auch noch verletzen - ein schrecklicher Gedanke. INTERVIEW: LUIGI HEINRICH


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