Der Placebo-Effekt
Tag zwei in St. Pölten: Ein dramatisch kurzer Auftritt von Placebo, drastische Düsternis mit Lykke Li und ein rührendes Wiedersehen mit alten Helden.

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Für viele Fans war es das Drama schlechthin: Stundenlang hatten sie ausgeharrt, um sich die besten Plätze für Placebo zu sichern. Bis diese gegen halb zwölf Uhr die Hauptbühne betraten: Ein Song - "Kitty Litter" -, dann war Sänger Brian Molko verschwunden. Nach Minuten versprach der sichtlich betretene Bassist auf Deutsch, das man das Konzert nachholen würde: "Große Scheiße, für uns auch." In einer Stellungnahme gab man später eine Viruserkrankung als Grund an, die in Verbindung mit dem Adrenalinrausch beim Auftritt akut geworden war. Der Placebo-Effekt, als Zigtausende zugleich nach draußen strömten, wurde aber bestens bewältigt.
Ein "Bitter End" für einen großen Konzerttag: Auf der Green Stage gab es ein rührend schönes Wiedersehen mit dem alten Helden Bob Mould (zuletzt 1992 in Österreich!), der sein Programm fast ausschließlich aus Songs seiner immens einflussreichen Bands Hüsker Dü und Sugar bestritt. Ähnlich ging auch Noel Gallagher vor, der sich vornehmlich dem Mitsingmaterial von Oasis widmete. Saint Etienne stellten neue, sich sanft ans Tanzbein schmiegende Songs vor.
Wilder getanzt wurde in der Indoor-Indie-Disco zu Miike Snow oder auf der Hauptbühne, wo Jan Delay - als Kontrast nach den gitarrenverliebten Kritikerlieblingen Wilco - die Funk-Funken nur so sprühen ließ. Auf der Green Stage wehten schwarze Vorhänge im Wind, zwischen dicken Nebelschwaden inszenierte sich die Schwedin Lykke Li drastisch düster. "Sadness is my Boyfriend", sang sie in bester Spectorscher Girlgroup-Manier - eine glückliche, aber wohl einseitige Liebe.
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