Über untröstliche Heiterkeit
"Der kleine Nick" wurde sein großer Triumph: Zeichner Sempé, Großmeister in Sachen Humor, Poesie und Melan-cholie, ist heute 80. Bon anniversaire!
Ein Mann tritt mit seinem Söhnchen aus einer Apotheke, der einen geschenkten Luftballon in der Hand hält mit dem Aufdruck: "Mein Vater verwendet nur Präservative von Durex". Der Bub strahlt. Der Vater blickt in zerknautschter Verzweiflung. Nur zwei haarfeine Striche - und alle Gefühlslagen sind beschrieben.
Jean-Jacques Sempé taucht seine Füllfeder tief in Humor. Als "Genie der Komik" würdigte ihn Leonard Bernstein einmal. Aber der französische Zeichner und Cartoonist ist noch viel mehr. Ein Chronist von Angst und Freude, von Poesie und Melancholie in der Welt, transponiert in ein Minimundus aus Papier und Tinte (und manchmal Aquarellfarben).
Als Sohn eines Viktualienhändlers in Bordeaux verbrachte Sempé eine "tragische Jugendzeit", wie er in der eben erschienenen Biographie "Kindheiten" gesteht: streitende Eltern, dauernde Umzüge, Hochkantflug aus der Schule. Die Träume, "sich von der Wirklichkeit wegzudenken", zerplatzten ebenso wie jene, Profifußballer zu werden oder Jazzmusiker wie sein Idol Count Basie. Die Realität hieß: Laufbursche für Kundenbüros oder Weinlieferanten in Paris.
Aber dann machte er sich selbst einen Strich durch die Rechnung, ein verpatztes Leben führen zu müssen. Und noch einen. Und noch einen. Magazine wie "Paris Match" wurden auf die Exzellenz des Zeichners aufmerksam, später sollten seine Arbeiten sogar die "New York Times" zieren.
Den größten Schritt tat Sempé aber 1959 mit "Asterix"-Texter René Goscinny, als er den "Kleinen Nick" das Laufen lehrte. Mit der Figur des liebenswerten Lausers, der sich mit seiner Rasselbande tapfer durch den Abenteuerwald des Erwachsenwerdens schlägt, zeichnete Sempé "eine Traum-Kindheit, die für mich so leider nie existiert hat". Die acht Bücher mit 280 Episoden vom "Kleinen Nick" machten Sempé weltberühmt, sie wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt und verkauften sich bisher mehr als acht Millionen Mal.
Auch heute, zu seinem 80er, wird Sempé wohl wieder in seinem Studio am Boulevard Montparnasse in Paris sitzen, sich eine Zigarette wuzeln und über Nick nachdenken und den Menschen an sich, "dieses Wesen von untröstlicher Heiterkeit". Aber zum Trost gibt's dort ja jede Menge Blätter, weiß und noch leer.















