Ein Fall von Rohrkrepierer
Endlich, der Sommeraufreger ist da: In einem "Schweden-Krimi" wird angeblich FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher gekillt. Der Urheber, realer Rivale von der "Süddeutschen", "gestand" am Mittwoch.

Foto © APArank Schirrmacher: Wird er in einem dubiosen Krimi "gemeuchelt“?
Das nennt man wohl einen Schuss in den Ofen. Oder Rohrkrepierer. Nächste Woche soll im Fischer-Verlag der Krimi "Der Sturm" erscheinen, als Autor wird ein Schwede namens Per Johanssen genannt, doch schon jetzt fliegen im deutschen Feuilleton die Fetzen tief.
Der Autorenname ist, wie der Verlag eingestehen musste, ebenso frei erfunden wie dessen ohnehin karge Vita; in Schweden ist das Buch mit dem angeblichen Originaltitel "Stormen" nie erschienen. Und in Wahrheit sei das Werk, so meinen viele Kritiker, eine volle Breitseite gegen Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ). Denn der Ermittler, ein Journalist, der in diesem Krimi auf sadistische Weise ins Jenseits befördert wird, verfügt über eine wundersame Vielzahl an Ähnlichkeiten mit dem mächtigen Medienmann.
Teilgeständnis
Bleibt die Suche nach dem wahren Urheber. Der legte am Mittwochabend auch ein Teilgeständnis ab. Es ist, wie ohnehin vielfach vermutet, Thomas Steinfeld, Feuilleton-Chef der "Süddeutschen Zeitung", der einstmals bei der FAZ diente. Ihn und Schirrmacher eint nicht nur eine innige Ablehnung, sondern auch das Duell um die eines Tages fällig werdende Nachfolge von Marcel Reich-Ranicki in der Rolle des Oberwortwartes der Nation. Womit sich ein anderer Kreis schließt: Denn Reich-Ranicki seinerseits wurde bekanntlich 2002 von Martin Walser in "Tod eines Kritikers" zur Strecke gebracht. Der geplante Vorabdruck in der FAZ wurde damals abgelehnt - von Frank Schirrmacher.
Unter großem medialen Druck räumte Steinfeld jetzt seine "Mittäterschaft" als angeblicher Ko-Autor ein, wies aber alle angestrengten Querbezüge zurück. Beim Mordopfer im Buch handle es sich um eine "abstrakte, idealtypische Gestalt", der Krimi sei keineswegs gegen Schirrmacher gerichtet. Tja, wie fiktiv doch alles sein kann in der Literatur.
So oder so: Auf der Strecke bleibt der Leser. Denn für knappe 20 Euro erhält er ein Werk, mit dem einig fragwürdiges Versteckspiel betrieben wurde. Laut Steinfeld sei es beabsichtigt gewesen, "mit Ernst, Können und Humor einen guten Kriminalroman zu schreiben." Da bedarf es noch einiger Übung, denn dieser "Sturm" erweist sich als eher seichtes Geplätscher im Wasserglas, reich an Entbehrlichkeiten.
Einen euphorischen Fürsprecher immerhin gibt es schon. Die Rückseite des Buches ziert ein Jubelzitat des Literaturnobelpreisträgers Orhan Pamuk. "Der beste und intelligenteste Kriminalroman, den ich seit langer Zeit gelesen habe." Alter Schwede aber auch.














