Soulfestspiel in Mörbisch
Gitarrenriffs statt Operettenzauber. "Tiger" Tom Jones übernahm die Mörbischer Bühnenvorherrschaft von Johann Strauß' "Fledermaus".
Höschen und BH blieben ebenso im Publikum wie Tom Jones' opulente Brustbehaarung unter dem maßgeschneiderten schwarzen Hemd. Der weiße Sänger mit der schwarzen Soul-Stimme ist eben in Würde gealtert. Das bewies der zum Sir geadelte Waliser mit Songs seines neuen Albums "Spirit in the Room", bei dem vor allem das ergreifende Leonard Cohen-Cover "Tower of a Song" für wohlige Gänsehaut sorgte.
Verglichen dazu wirkt es geradezu befremdlich, dass der 72-Jährige die größte Publikumsresonanz durch die Zeltfest-Hymne "What's new Pussycat?" und den Evergreen "Delilah" erntete. Doch ein Tom-Jones-Konzert ist eben in erster Linie eine große Show ohne allzu große Effekte. Deshalb erwies sich auch die Seebühne im burgenländischen Mörbisch als perfekter Konzertrahmen.
Charme und Verve
Zwischen den Grundpfeilern der Operettenbühne und der angenehmen Atmosphäre des Neusiedlersees überzeugte der Brite mit Lebensfreude und Verve, gekonnt zwischen Rock, Pop, Blues, Soul und Country jonglierend. Selbst den Ansturm der Gelsen und Mücken nahm er mit Humor: "Denen gefallen wohl meine weißen Haare."
Locker-lässige Hüftschwünge und das charmante Lächeln sind auch nach 48 Jahren Musikkarriere omnipräsent - man kauft dem sympathischen Entertainer zu jeder Zeit ab, dass ihm die Frauen schon in seinen Jugendzeiten als Staubsaugervertreter zu Füßen lagen.
Das taten sie auch diesmal bei "Sex Bomb" und "Kiss" im Schlussdrittel, wo der "Tiger" die rund 4500 Fans in Ekstase brachte. Wissend, dass seine neuen Songs zwar großartig, aber nicht massentauglich sind.














