Die Magie eines sehr realen Kosmos
In "Der Tag vor dem Glück" führte Erri De Luca vor zwei Jahren in das Herz seiner Heimatstadt Neapel. Sie ist (wie in anderen Werken des 1950 geborenen Autors) auch in "Montedidio" eine Hauptdarstellerin. Bei dem im Original schon 2002 publizierten Roman ist ein Stadtteil Namensgeber. Eben jener "Berg Gottes", auf dem der Ich-Erzähler, 13 und etwa De Lucas Jahrgang, in ärmlichen Umständen aufwächst.
Es ist ein realer, realistisch geschilderter Kosmos, mit dem der Tischlerlehrling konfrontiert ist, den er aber in eine magische Welt verwandelt. Kraft der Sprache(n), für die er begabt ist. Ihm sind, anders als den Menschen in seiner Umgebung, Neapolitanisch und Italienisch nicht fremd. De Lucas Kunststück: in knappen Formulierungen komplexe Geschichten zu bauen, ein höchst plastisches Figurenarsenal zu erschaffen. Das Komische und das Tragische (etwa im jüdischen Schuhmacher Don Rafaniello, dem wie selbstverständlich Flügel aus dem Buckel wachsen) hält er in wunderbar berührender Balance. WALTER TITZ















