Knochentrockener Witz
Ror Wolf, soeben 80 geworden, legt ein neues Buch mit Texten und Bildern vor. Und er kooperiert mit dem Ersten Wiener Heimorgelorchester auf dessen neuer CD. Lesen, Schauen, Hören.
Ein Dunst liegt über Dakota, / und über Nevada liegt Rauch / und Qualm über Minnesota. / Am Ende liege ich auch." Finale Strophe des Gedichts "Das nordamerikanische Herumliegen". Ror Wolf hat es 2005 veröffentlicht, das Erste Wiener Heimorgelorchester (EWHO) hat es nun vertont. Als Bonus des jüngsten EWHO-Albums "Ütöpie" liest der Autor das Poem mit sonorer Stimme. Knochentrocken.
"Das nordamerikanische Herumliegen" ist ein Musterbeispiel für die Kunst des 1932 in der DDR als Richard Wolf Geborenen. 1953 ging er in den Westen, nachdem im Osten Studienbewerbungen ohne Erfolg blieben. In Frankfurt inskribierte er Literatur, Soziologie und Philosophie. Die Studentenzeitung "Diskus" publizierte erste Texte und Collagen. Letztere Bilder aus dem Geist von Dada, speziell von Max Ernst.
Dem bildnerischen Metier ist das höchst produktive Multitalent treu geblieben. "Die Vorzüge der Dunkelheit", "Horrorroman" in "Neunundzwanzig Versuchen die Welt zu verschlingen" verbindet (alb)traumartige Texte mit ebensolchen Bildern. Wolfs Witz ist aber in jedem Fall präsent.
Als Raoul Tranchirer legte Wolf zwischen 1983 und 2005 eine sechsbändige "Enzyklopädie für unerschrockene Leser" vor, mit "Mitteilungen an Ratlose" und "Bemerkungen über die Stille". Bislang fünf Bände umfassen "Aufzeichnungen aus dem Archiv der Wirklichkeitsfabrik".
In Buchtiteln wie "Punkt ist Punkt" und "Das nächste Spiel ist immer das schwerste" kommt eine weitere Leidenschaft des vom Hörspielpreis der Kriegsblinden bis zu Doderer- und Hölderlin-Preis mit vielen bedeutenden Auszeichnungen bedachten Schriftstellers zum Ausdruck: Fußball. Kleine Kostprobe aus dem "Rammer & Brecher Sonett No. 4": "Das ist doch nein die schlafen doch im Stehen. / Das ist doch ist das denn die Möglichkeit. / Das sind doch Krücken. Ach du liebe Zeit. / Das gibt's doch nicht. Das kann doch gar nicht gehen." Besser kann man es nicht ausdrücken.
Ror Wolf. Die Vorzüge der Dunkelheit. Schöffling, 25,70 Euro, 272 Seiten; Hörbuch gelesen von Christian Brückner.
Erstes Wiener Heimorgelorchester: "Ütöpie". monkey. www.ewho.at Live beim murton festival Graz: 18. August, 22.30 Uhr, ppc















