Kunst auf fruchtbarer Erde
Die Künstlerklausur der styrianARTfoundation in Stift Rein treibt wieder kreative Blüten. Für Rückhalt sorgen heimische Firmen. Am Mittwoch ist Tag der offenen Ateliers.

Foto © KLZ / KanizaijCarola Stefanie Deutsch ist eine von neun heimischen Künstlern, die derzeit in Stift Rein arbeiten
Die Erde ist ein Wasserball. Zumindest bei Christoph Urban. Der Grazer hat sein temporäres Atelier in einem Klassenzimmer von Stift Rein eingerichtet und baut dort Skulpturen aus Fundstücken. Ein Häferl, das von seiner Idealfigur als Kugel träumt. Ein Suppenschöpfer, der die Welt beobachtet. In das Ventil des Balls hat Urban einen Strohhalm gesteckt, mit dem man dem Planeten Luft absaugen oder zuführen kann. Das zeige gleich, welcher Charakter man sei, lächelt der 33-Jährige.
Bei Daniel Wetzelberger wiederum ist Erde vor allem eines: Material. In flüssiger Form sprudelt es aus einem Schokobrunnen und tropft langsam in flache Gussformen. Das fertige keramische Bild erzähle vom Entstehen der Welt, erklärt der Südsteirer. Und vom Vergehen der Zeit.
Vielfältiger Kosmos
Erde ist nicht gleich Erde. Das zeigen die Arbeiten, die derzeit bei der achten Künstlerklausur der styrianARTfoundation in Stift Rein entstehen, deutlich. Unter dem Titel "eARTh" eröffnen acht Künstlerinnen und Künstler gemeinsam mit Klausur-Motor Edith Temmel einen Kosmos aus Gemälden, Fotos und Skulpturen. Erste Einblicke gibt der Tag der offenen Ateliers. Die gesamte Ernte ist im Herbst in der Zentrale des Sponsors Hypo Steiermark zu sehen.
Auch bei Christina Wimmer ist die Erde ein Planet. Einer, "der rücksichtslos zerstört wird". Mit ihren vielschichtigen Schaukästen versuche die Kainbacherin, "das alles zu ertragen". Vielschichtig auch Axel Staudinger. Auf den Erdbällen des Grazers leben Menschen dicht nebeneinander und doch voneinander getrennt. Die Oberflächen sind oft glitzernder als das Dahinter.
Christian Großschädl überträgt unsichtbare Strukturen auf riesige Leinwände, Walter Kratner hat Paul Celans "Todesfuge" mit einer alten Schreibmaschine überarbeitet. Waltraut Gschiel malt mit flüssigem Ton, Carola Stefanie Deutsch übermalt alte Gemälde mit Frauenporträts. Und Edith Temmel beschäftigt sich in ihren Werken mit der Entstehung der Arten. "Es ist ein großer Spaß, neue Tierarten zu erfinden", sagt die Künstlerin.
Temmel, die das Kreativlabor in Stift Rein seit acht Jahren gemeinsam mit Unternehmerin Margret Roth organisiert, geht es freilich nicht nur um den Spaß: "Wir wollen sichtbar machen, wie viele kreative Kräfte es hierzulande gibt". Für Roth ist die styrianARTfoundation überdies ein "wichtiges Bindeglied zwischen Kunst und Wirtschaft".
Ein Unternehmen, das den Verein tatkräftig unterstützt, ist die Firma Saubermacher. Ein anderes die Hypo Steiermark. Die Bank hat ihre Tore bereits vor 30 Jahren für Ausstellungen geöffnet und sich mittlerweile als "Kulturbank" positioniert, wie Generaldirektor Martin Gölles sagt. Cellist Friedrich Kleinhapl ist seit zehn Jahren Hypo-"Kultur.Partner", die styrianARTfoundation seit acht. Allein sie erhält jährlich einen fünfstelligen Euro-Betrag. Nachhaltigkeit werde dabei groß geschrieben, sagt Gölles, denn die Hypo kaufe auch Werke an und zeige diese her. Die Sammlung ist bereits 700 Werke stark und reicht von Angerer bis Vasarely. Und schon bald wohl auch von Deutsch bis Urban.
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Information
Die 8. Künstlerklausur der styrianARTfoundation in der Tradition des 1999 verstorbenen Förderers Josef Fink findet bis 12. August in Stift Rein statt.
Tag der offenen Ateliers: Heute, 14 bis 18 Uhr, Stift Rein.
www.styrianart.at















