La Strada zieht Bilanz
Von Gipfelgefühlen und dem Mut zum Scheitern: Werner Schrempf zieht aus seinem 15. Festival La Strada Bilanz.
1 / 57
Sie haben einen zehntägigen Marathon hinter sich, wohl mit gefühlten 42,195 Stunden Arbeit am Tag. Wie sieht's aus nach der Ziellinie? Persönliche Bestleistung? Goldmedaille?
WERNER SCHREMPF: Ich würde es lieber mit einer Bergtour vergleichen: Glücklich auf dem Gipfel angekommen, den Panoramablick genossen, gottlob bei gutem Wetter, jetzt gehen wir runter - mit den Abschlussarbeiten für das Festival. Und dann: Urlaub!
Die Berg-Metapher kommt vermutlich nicht von ungefähr, war doch die Klanginstallation "Harmonic Fields" von Pierre Sauvage-ot auf dem Schöckl ein in mehrfachem Sinn außertourlicher Erfolg.
SCHREMPF: Ja, diese gehörte zur räumlichen und auch inhaltlichen Erweiterung von La Strada. Das Publikum war schwer beeindruckt, wie intensiv man auch mit Instrumenten und dem Wind statt mit Bildern und Worten "erzählen" kann. Nur anfangs hörten wir vereinzelt auch Murren, so unter dem Motto: "Mei, unser Schöckl!" Aber in Wahrheit war es ein wunderbares Zeichen des Respektes der Natur gegenüber.
Gab's auch Wermutstropfen?
SCHREMPF: Das große Finale mit Jo Bithumes "Far West 2037" war vom Prinzip her total okay, aber da haperte es an der dramaturgischen Umsetzung. Ich kriege dabei jedoch keine Schweißausbrüche: Hätten wir nicht den Mut zum Scheitern, ginge gar nichts.
Sie suchten heuer mehr denn je Kooperationen. Bildet man da quasi Selbsthilfegruppen angesichts budgetärer Teufel an der Wand?
SCHREMPF: Das kann ich nur mit Ja beantworten. Die größte Herausforderung für Kulturmacher heißt Zusammenarbeit, inhaltlich wie organisatorisch - die ist für uns gut und für die Künstler gut. Wir wollen im Rahmen des Straßenkunstnetzwerks IN SITU noch verstärkt daran arbeiten, dass Grazer Institutionen mit ihren Projekten international reüssieren können - wie etwa dramagraz mit dem Migrationsstück "Gott ist ein Deutscher".
Spukt schon La Strada 2013 in Ihrem Kopf herum?
SCHREMPF: Natürlich. Viele Produktionen brauchen ja zwei oder sogar drei Jahre Vorlaufzeit. Aber ich muss selbst nicht mehr so viel zum Sichten unterwegs sein, weil mit diesem von der EU unterstützten Straßenkunstnetzwerk aus 19 Partnern, davon neun Co-Organisatoren, der Austausch von Plänen ideal funktioniert. Außerdem gibt es mit dem zeitgenössischen Zirkus wieder eine neue Themenebene, da bauen wir gerade innerösterreichisch eine kleine Kooperation auf.
Mit dem 15. Festival sind Sie schon ein "alter Hase". Dennoch stellen sich Finanzierungsprobleme für Sie immer wieder neu. Ist La Strada nach vielen Aufs und Abs endlich angekommen?
SCHREMPF: Beim Publikum längst. Die finanziellen Bedingungen werden allerdings für alle Kulturarbeiter nicht leichter. Die Hoffnung, mit La Strada einmal etabliert zu sein, habe ich ohnehin schon aufgegeben und kann damit aus Selbstschutz mittlerweile besser umgehen als mit den immer wiederkehrenden Enttäuschungen, wie letztes Jahr durch die kräftigen Einbrüche bei der Landessubvention infolge des Sparpakets. Was nicht heißt, dass wir nicht weiter kämpfen, mit klaren Angeboten unsererseits.
Features
Zum Thema
Fotoserien
La Strada
10 Festivaltage, 18 Künstlergruppen aus 7 Ländern, 20 Produktionen, 6 Uraufführungen. 130 Vorstellungen, davon 103 frei zugänglich. 100.000 Besucher, 15.000 verkaufte Karten.
Budget: rund 1 Million Euro. www.lastrada.atWerner Schrempf
strong>Werner Schrempf, geboren 1963 in Bad Aussee, aufgewachsen in Stainach.
Seit 1998 künstlerischer Leiter von "La Strada", mit Diana Brus Geschäftsführer der Veranstaltungsagentur "die Orga-nisation".





















