Einmal Hölle und zurück
"Achtung ProvincA" warnen die Bleiburger Theatertage heuer. Alle Achtung, wie Sartres "Geschlossene Gesellschaft" ins Sudhaus und "Der Herr Karl" in eine alte Greißlerei gesetzt wurden.

Foto © Kulturinitiative BleiburgSpannender Teufelskreis, engagierte Amateure: Ines Semprimoschnig, Johanna Hainz und Reinhard Wulz spielen Sartre
In dieser Hölle ist der Teufel gar nicht notwendig. Die "Abwesenden" in der irdischen Welt sind im Totenreich ihre eigenen Folterknechte: Jeder sehnt sich da zwar nach der Hilfe des anderen, verletzt ihn aber gleichzeitig.
"Die Hölle, das sind die anderen!" gilt als zentraler Satz in Jean Paul Sartres Bühnenstück "Geschlossene Gesellschaft", das 1944 uraufgeführt wurde und nun als spannendes Sommertheater bei den Bleiburger Theatertagen im Sudhaus zu sehen ist. Die dramaturgische Umsetzung dessen, was der französische Existenzialist in seinem Hauptwerk "Das Sein und das Nichts" thematisierte, dreht sich um die zentralen Begriffe Freiheit, Eigenverantwortung und Beziehungen.
Spiegel-Bilder
Nicht zufällig werden von den drei willkürlich zusammengewürfelten Höllenbewohnern - dem Journalisten Garcin, der lesbischen Postbeamtin Ines und dem sinnlichen Weibchen Estelle - Spiegel am meisten vermisst: So ist jeder davon abhängig, wie der andere ihn sieht, existiert nur im Blick des Gegenübers.
Das gegenseitige Belauern, das schrittweise Aufdecken von Lebenslügen und die Versuche zu fliehen machen aus der Notgemeinschaft ein armseliges Grüppchen von Verdammten, das - als sich die Höllentüre unvermutet öffnet - doch nur zurück schreckt vor der plötzlich greifbaren Freiheit. Diese Untoten begeben sich freiwillig in die Hölle und sie bereuen nichts. - "Also gut, machen wir weiter", lauten daher die lapidaren Worte, die den Teufelskreis beschließen und das Premieren-Publikum nach dichten eineinhalb Stunden in die Nacht entließen.
Davor gab´s noch viel Applaus für das engagierte Amateurensemble: Johanna Hainz als Kindsmörderin Estelle, die sich an Garcin (Reinhard Wulz) klammert, der sich - verzweifelt seine eigene Feigheit erkennend um intellektuelle Anerkennung bei Inés (Iris Semprimoschnig) bemüht. Florian Kutej gibt den teuflisch spöttischen Hausmeister, der seine verdammten Gäste in die Hölle einführt.
Unter der bewährten Leitung von Michael Stöckl, begleitet von der Musik Arthur Ottowitz´ und in der kargen, aber schlüssigen Ausstattung von Simona Krajger setzte die Kulturinitiative Bleiburg einen anregenden, beunruhigenden und nachdenklichen Abend in das stimmige Ambiente des Sudhauses - der dem vor wenigen Tagen verstorbenen, aber nicht nur in seinen Bildern anwesenden "Hausherren", dem Maler Franz Brandl, vermutlich auch gefallen hätte.
Schlag zwei der Bleiburger Theatertage: "Der Herr Karl" in Kärntner Umgangsprache und mit seinem Opportunismus aktuell wie selten hatte gestern in der ehemaligen Greißlerei Mory Premiere. Hermann Enzi legt den Qualtinger-Rucksack zur Seite, alle Vorstellungen sind ausverkauft.
Geschlossene Gesellschaft. Sudhaus der ehemaligen Brauerei Sorgendorf. Bleiburg/Pliberk. Vorstellungen: 5. und 6. August, 20 Uhr. Karten: Tel. 0664/13 42 921















