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Zuletzt aktualisiert: 02.08.2012 um 20:28 UhrKommentare

"Humor als Therapie, um weiterzumachen"

Er machte Knollennasen in aller Welt beliebt: Der argentinische Cartoonist Mordillo, der heute in Monaco lebt, wird am 4. August 80 Jahre alt. Im Interview mit der Kleinen Zeitung spricht er über Liebe, Humor und Tiere, die keine Fehler machen.

Foto © KK

Ihre Figuren haben oft zu kämpfen: mit den Tücken des Alltags, mit ihrer eigenen Unzulänglichkeit und ganz oft mit der Liebe. Was bedeutet Ihnen Liebe?

MORDILLO: Was ist das, sich verlieben? Liebe ist nur eine chemische Reaktion. Studien sagen, das dauert drei Jahre. Und danach? Wer weiß? Manche Paare behaupten zwar, auch nach 30, 40 Jahren hätte sich bei ihnen nichts geändert. Aber ich glaube ihnen nicht. Ich weiß, selbst, wie es ist, 43 Jahre mit derselben Frau zu verbringen. Das ist seltsam! Ich sage immer: Nachdem Gott die Welt erschaffen hatte, schuf er Mann und Frau. Um das ganze vor dem Untergang zu bewahren, erfand er den Humor.

Wollen sie mit Ihren Bildern die Menschen schlicht dazu bringen, über sich selbst zu lachen?

MORDILLO: Viele meiner Cartoons regen eher zum Nachdenken an. Ich zeichne ja mehr nach meinem Instinkt als nach meinem Verstand. Und dieser Instinkt ist überall auf der Welt gleich. Somit ist es ein Privileg, mit Menschen kommunizieren zu können, deren Sprache ich nicht spreche, die so ganz anders sind als ich selbst.

Immer wieder porträtieren Sie Verlierertypen, die aber Gelassenheit und Witz zeigen. Wie wichtig ist Humor für sie selbst?

MORDILLO: Sehe ich die Nachrichten, könnte ich heulen über das das Leiden in aller Welt. Dann brauche ich dringend etwas Humor. Als Therapie, um weiterzumachen. Humor ist für mich Zärtlichkeit im Angesicht der Angst.

Lachen also als Schmerzmittel gegen die Wunden des Alltags?

MORDILLO: Humoristen, Kabarettisten, Cartoonisten sind keine gleichgültigen Menschen. Wir wissen sehr genau, was schief läuft in der Welt. Und wir kämpfen mit unserer Arbeit, um den Leuten zu helfen. Das ist das beste, was ich machen kann.

In Ihrem Figurenkosmos tummeln sich Menschen, ganz oft aber auch Tiere. Warum?

MORDILLO: Ich habe mir die Tiere zum Vorbild genommen, denn Tiere machen keine Fehler. Sie handeln instinktiv. Wir Menschen machen Fehler, weil wir denken, dass wir nur unseren Verstand benutzen müssen.

Haben Sie je überlegt, Ihren Figuren eine Stimme zu verleihen?

MORDILLO: Als ich anfing mit den Cartoons, war ich in Paris. Meine Charaktere redeten ganz einfach deshalb nicht, weil ich kein Französisch konnte. Aber ich entwickle gerade mit einer Münchner Firma die Figuren für einen Film. Im September sind wir fertig, dann wird mit der Animation begonnen. "Crazy Island" soll in zwei Jahren im Kino anlaufen.


Foto

Foto © APA

Am 25. Juli eröffnete die Heitsch-Gallerie in München eine Ausstellung über Mordillos Lebenswerk. Foto © APA

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