Vogelhändler: Witzig-charmante Inszenierung
Im idyllischen Arkadenhof von Schloss Stadl in Mitterndorf an der Raab ist Carl Zellers "Der Vogelhändler" zu sehen.
1 / 143
Hübsche Melodien, ein banaler Plot. Manchmal sind Operetten nett, aber ein bisserl langweilig. Nicht so bei den Schlossfestspielen Stadl, wo "Der Vogelhändler" von Carl Zeller eine zu Recht umjubelte Premiere feierte.
Schon die ersten Takte des Orchesters unter der inspirierten Leitung von Matthias Unterkofler versprechen perlende Leichtigkeit und gefühlvolle Melodiösität ohne Kitsch. Der Chor (Einstudierung: Sándor Kádár, Katsiaryna Ihnatsyeva-Cadek) liefert dazu mehr als den Background. Klangschön und sogar schauspielerisch begabt bringt er manches Duett und Terzett erst so richtig zum Aufblühen. Die Textfassung von Andy Hallwaxx lässt einfach keine Langeweile aufkommen. Auszüge aus Loriots berühmter Bundestagsrede und aktuelle Anspielungen ("Kärntner Rettungsschirm", "Gemeinden mit vollen Kassen! Das gibt's auch nur in der Operette.") sorgen ebenso für durchgehende Heiterkeit wie die regionalen Bezüge ("Weiz ist geil" oder "Wir müssen irgendwohin fliehen, wo uns keiner kennt. Nach Gleisdorf vielleicht.").
Für die Hauptrollen fand man echte Idealbesetzungen. Andreas Sauerzapf ist als Vogelhändler Adam ein kraftstrotzender Tiroler Draufgänger, ein Andreas Gabalier der Operettenszene, Briefchristl Katrin Fuchs eine entzückend naive Dorfschönheit. Martin Mairinger verleiht als Graf Stanislaus den Liebesszenen auch berührende Momente und Judith Halász ist eine edle und glaubwürdig wehmütige Kurfürstin. Neben ihren stimmlichen Qualitäten werden Susanna Hirschler (Baronin Adelaide) und Thomas Bayer (Baron Weps) Dank ihrer komödiantischen Höchstleistungen zu Publikumslieblingen.
Die Inszenierung von Christoph Sommersguter ist so voll Tempo, Witz, Selbstironie und Charme, dass man jegliches Vorurteil gegen das Genre Operette revidieren muss. Wahre Könner machen daraus ein echtes Ereignis!


















