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Zuletzt aktualisiert: 22.07.2012 um 23:14 UhrKommentare

Natur und Kultur im Dialog

Die heurige "regionale" fand mit der Uraufführung von Klaus Langs "etrach.himmel", einer LandschaftsKlangIntervention am Etrachsee, einen stimmungsvollen und würdigen Abschluss.

Konzentrierte Zusammenarbeit von insgesamt 640 Musizierenden

Foto © Gernot EderKonzentrierte Zusammenarbeit von insgesamt 640 Musizierenden

EVA SCHULZ

Einen Dialog zwischen Kunst und Natur wollte Klaus Lang mit seiner LandschaftsKlangIntervention "etrach.himmel" gestalten. Aber die Natur lässt sich nicht inszenieren. Sie ist eine Meisterin der Improvisation. Wie eine kapriziöse Primadonna hatte sie am Samstag ihren Auftritt kurzfristig abgesagt. Und auch am Sonntag hielt sie die 640 aufführenden Musizierenden und das zahlreiche Publikum in atemloser Spannung.

Acht Blasmusikkapellen und acht Chöre aus der Region waren rund um den idyllischen Etrachsee (Krakauebene) positioniert. Die Generalprobe zeigte bereits, dass der Wind die Klänge verträgt und die Musiker näher am See Aufstellung nehmen müssen. Zu Aufführungsbeginn nieselt es und kräftiger Wind zieht auf. Die Musiker stehen bereit. Zeit für ein paar kurze Fragen: Was hält man von zeitgenössischer Musik? Gefällt das Werk von Klaus Lang? "Ohne Rausch überstehst des net", meint Reinhold Macheiner junior und setzt ein resolutes "Dieses Stück ist unspielbar und für die Blasmusik nicht geeignet" nach. "Schreib des!"

Beim Spielen geht es dann doch recht diszipliniert und konzentriert zu. Die Kapellmeister sind über Clicktrack miteinander koordiniert. Eine Mischung aus Kontrolle und Freiheit sollte - so Klaus Lang - relativ komplexe Strukturen ermöglichen und musikalischer Reichtum durch diese kontrollierte Zufälligkeit entstehen. Einzelimpulse verwandeln sich kontinuierlich in eine Klangfläche. Der Naturraum wird dabei quasi als Kulisse eines Musiktheaterstückes genutzt.

Das Rascheln der Regenhaut

Zu den von Lang eingeplanten Naturgeräuschen wie Wind und Bachrauschen kommt das Rascheln der Regenhäute, die von den bestens organisierten Veranstaltern an alle verteilt wurden. Aus dem fragilen Anfangsteil, der durchlässig für Naturklänge sein soll, entsteht nach und nach eine dichtere Klangfläche. Die von Lang erdachte "Klangkuppel", in der man den Klang kaum orten kann, ergibt sich - windbedingt - nicht, aber die über den See ziehenden Klänge, die sich vermischen, einander antworten, ein Echo geben, sind höchst stimmungsvoll und spannend. Die Natur entschließt sich nach heftigem Wind und etwas Regen nun zu strahlendem Sonnenschein.

Im dritten Teil kreist der Klang in klaren Raum- und Zeitstrukturen, die sich zuvor schon völlig aufgelöst zu haben scheinen. Die Klangfläche verwandelt sich gleichsam gegenläufig zur Einleitung in Einzelimpulse und tröpfelt langsam aus. "Die Musik tritt nicht in Konkurrenz zum Naturraum, will ihn nicht verschönern, nichts Ornamentales anbringen, sondern will eine sinnliche Erfahrungsebene hinzufügen", erläuterte Klaus Lang seine Intentionen zu "etrach.himmel".

Sinnliche Erfahrung

Das Publikum begegnet der neuen "sinnlichen Erfahrung" vielfältig. Beim Getränkestand kommt Volksfeststimmung auf, am Steg wird hingegen sehr aufmerksam gelauscht und etliche Zuhörer spazieren still um den See. Um Herrn Macheiners Urteil (siehe oben) zu relativieren, wird weiter befragt. "Es ist Kunst", sagt Kapellmeister Hubert Siebenhofer von der Schützenmusikkapelle Krakaudorf kryptisch. "Mal was anderes, Ungewohntes", ergänzt er einlenkend. Dirigent Jon Svinghammar, eingesprungener Profi aus Wien, sieht in Langs Werk ein "Spiel mit Klängen, Farben und Akustik". Es wird noch ein bisserl Überzeugungsarbeit nötig sein, um der zeitgenössischen Musik den ihr gebührenden Platz gewähren zu können.


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