"Andre Chenier"-Premiere begeisterte in Bregenz
Trotz drohender Regenprognose blieb der Wettergott gnädig und die Wiederaufnahme der Revolutionsoper "Andre Chenier" von Umberto Giordano konnte trocken über die Seebühne gehen. Das hochintelligente und optisch wie akustisch faszinierende Freiluftspektakel wurde im zweiten Jahr deutlich aufpoliert und dürfte Musiktheaterfreaks ebenso wie eher zufälligen Opernbesuchern viel Freude bereiten.
Die monumentale Seebühne mit dem am berühmten Gemälde von Jacques-Lous David orientierten Kopf des im Bad ermordeten Marat beeindruckt auch im zweiten Jahr. Ulf Schirmer am Pult der Wiener Symphoniker leitet wie im Vorjahr aus dem Orchesterhaus die packenden Verismo-Oper um das tragische Schicksal des Dichters Andre Chenier zur Zeit der Französischen Revolution.
Das Meisterwerk scheint in der Umsetzung durch Regisseur Keith Warner (Bühne David Fielding, Kostüme Constance Hoffman) wie geschaffen für die Bregenzer Seebühne. Dank präzisierter Lichtführung (Davy Cunningham) sind Besucher trotz der riesigen Bühnendimensionen stets im Bilde, wer gerade und vor allem wo singt. Die Protagonisten der drei Hauptpartien überragen stimmlich das insgesamt hervorragende Ensemble. Als tragischer Dichter brilliert wie im Vorjahr der mexikanische Tenor Hector Sandoval, dem die russische Sopranistin Tatiana Serjan als geliebte Maddalena di Coingny zuletzt auf die Bühnen-Guillotine folgt.
Schwankend im Zwiespalt zwischen Liebe und Hass profiliert sich der kraftvolle schwedische Bariton John Lundgren als Cheniers Gegenspieler Carlo Gerard. Einen besonders intriganten Fiesling spielt und singt Tenor Peter Marsh als Spitzel "Incredibile", aus dem guten Ensemble ragt auch Mezzo Krysty Swann als Mulattin "Bersi". Akustische Abrundung erfährt die grandiose Seebühnen-Produktion durch den Prager Philharmonischen Chor und der Bregenzer Festspielchor.














