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Zuletzt aktualisiert: 20.07.2012 um 08:38 UhrKommentare

Mein Büchersommer: Die Literaturtipps unserer Redaktion

Ein Sommer ohne ein gutes Buch ist wie ein guter Wein ohne entsprechendes Weinglas. Die Redakteure der Kleinen Zeitung Digital verraten ihre Lieblingsbücher, damit Sie den Sommer 2012 so richtig genießen können.

Sonne, Meer, Strand und ein gutes Buch: das ist Urlaub!

Foto © Fotolia/Peter PunkSonne, Meer, Strand und ein gutes Buch: das ist Urlaub!

Barbara Griesbacher, Redakteurin

Das neueste Opus "African Queen" von Helge Timmerberg führt nach Afrika und beschreibt den Kontinent in den schillerndsten Farben. Ob Voodoozauber, Korruption oder Großwildjagd, der Meister der anschaulichen Reisegeschichte lässt nichts typisch Afrikanisches aus. Auch der herausfordernden Aufgabe, einer "zu jungen Frau" zu genügen, widmet er den einen oder anderen Absatz. Ein sehr kurzweiliges Buch, das nicht nur auf einen Afrikaurlaub wunderbar einstimmt, sondern sich auch als Strandlektüre bestens eignet.

Tanja Haser, Chefin vom Dienst

Romane mit Gänsehautfaktor, die dazu das Eintauchen in ferne Länder ermöglichen, sind für mich ein Muss. Mein absolut Favorit ist der französische Autor Jean-Christophe Grangé. Grausame Morde, bei deren Aufklärung die Protagonisten meist nicht nur das eigene Land sondern gleich den heimischen Kontinent verlassen, sind seine Spezialität. In seinen Bann gezogen hat mich Grangè mit "Das schwarze Blut", das zu großen Teilen in Südostasien spielt. "Der Flug der Störche" führt den Protagonisten durch Südosteuropa und Afrika. Derzeit mein Begleiter an Kärntens Seen: "Im Wald der stummen Schreie", in dessen Mittelpunkt die Ritualmorde eines Kannibalen stehen. Noch sind wir in Paris, aber der Klappentext verrät, dass des Rätsels Lösung in Südamerika zu finden ist - ich bin gespannt...

Lange Nachmittage am See nütze ich außerdem gerne, um mich durch Biographien und historische Romane zu lesen, für die man sonst oft nicht die Zeit findet. Pflichtlektüre für (Kolonial-)Geschichts- und Afrika-Interessierte ist Uwe Timms "Morenga". Der Autor verknüpft fiktive Tagebuchaufzeichnungen mit Originaldokumenten jener Zeit, dem Jahr 1904. Aber Achtung: Wer dieses Buch liest, sollte in groben Zügen die Geschichte Namibias als Deutsch-Südwestafrika kennen - und sich nicht scheuen, auch mal eine Landkarte in die Hand zu nehmen.

Susanne Rakowitz, Chefin vom Dienst

Roger Willemsen (Schriftsteller, Moderator, Journalist, Weitgereister und Universalinteressierter) ist kein Effizienzreisender, ihn interessieren nicht die großen Sehenswürdigkeiten und Naturwunder, sondern hat ein geschultes Auge für die Hintergrundgeräusche und vor allem die Menschen in den von ihm bereisten Erdteilen. Von Minsk bis Timbuktu und von Patagonien bis zum Himalaya fördert er Begegnungen und Flüchtigkeiten zu Tage, die berauschend, ungewöhnlich und in hohem Maße detailverliebt sind. Die "Enden der Welt" ist eine ganz persönliche Wunderkammer, gespeist aus dem Abenteuer Reise, ohne Beschönigungen und Selbstbelügungen, aber immer mit dem Wissen, dass ein Ende gleichzeitig auch immer ein Anfang ist.

Ob Kamerun oder Sulawesi, dem britischen Ethnologen Nigel Barley kann so schnell nichts erschüttern. Doch wie sieht es aus, wenn der Ethnologe nicht auf eine fremde Kultur, sondern auf seine eigene trifft? "Traurige Insulaner" ist keine Neuerscheinung, aber ganz passend zum heurigen Austragungsort von Olympia: England. Mit viel Humor und Ironie nimmt der Ethnologe seine Feldforschung im eigenen Land auf und fördert auch hier die eine oder andere höchst exotische Verhaltensweise zu Tage. Was hat es mit der Begeisterung der Briten für das Landleben auf sich und sind die Briten generell ein trauriges Volk mit Hang zu Partys und Torten aller Art? Ein amüsanter und aufschlussreicher Streifzug in eine Kultur, die wir nur allzu gerne zu kennen glauben.

Maria Schaunitzer, Redakteurin

Das Buch der französischen Autorin Anna Gavalda "Ein geschenkter Tag" eignet sich gut für einen Kurzurlaub oder ein sonniges Wochenende. Denn auf nur 140 Seiten wird in heiter-melancholische Grundstimmung von besonderen Familienbanden erzählt. Man taucht in eine prachtvolle französische Landschaft und erschafft sich ein paar Urlaubsstunden im Kopf.

Der Roman handelt von erwachsenen Geschwistern, die sich bei einer Hochzeit nach langer Zeit wieder treffen und beschließen sich einen Tag eine Auszeit von ihrem Leben zu nehmen, ein paar Stunden wieder Kind zu sein, ein paar Minuten völlig unbeschwert zu leben. Ein geschenkter Tag, fernab von Small Talk und Förmlichkeiten, voller Erinnerungen - und ohne nervende Schwägerin.

Karin Fritzl, Redakteurin

"Unterwegs verloren" von Ruth Klüger. Die 80-Jährige hielt die Eröffnungsrede des diesjährigen Bachmann-Preises, in "Unterwegs verloren" blickt sie zurück auf ihr bewegtes Leben, das im zweiten Weltkrieg beinahe in Auschwitz geendet hätte.

Barbara Jauk, Redakteurin

Thomas Glavinic: "Unterwegs im Namen des Herrn". Aus purer Neugierde und ohne jegliches religiöses Vorwissen begibt sich Thomas Glavinic gemeinsam mit einem Freund, dem Fotografen Ingo, von Wien aus auf eine Bus-Pilgerreise nach Medjugorje. Bereits am Beginn der 14-Stunden-Fahrt machen sich beim Ich-Erzähler erste Zweifel ob der dieser Entscheidung breit. Die restliche Pilgerschaft – unter anderem vier "Fundamentalistinnen", die es mit dem Fasten mehr als ernst nehmen – bestärken die Skepsis für das Unterfangen. Dazu kommt, dass sich die beiden Neo-Pilger nicht wie vorgehabt, zurücklehnen und dabei zusehen dürfen, wie gepilgert wird, nein, aktive Teilnahme beim "betten" (Anm.: natürlich ist "beten" gemeint, ein köstlicher Seitenhieb auf Glavinics steirische Herkunft) wird gnadenlos eingefordert. Gegengesteuert wird mit Kopf-in-den-Sand-Strategien, Alkohol und jeder Menge Pillen. In Medjugorje selbst nimmt die Pilgerei solche Ausmaße an, dass der Ich-Erzähler samt Anhang Reißaus nimmt und ins kroatische Split flüchtet. Gezeichnet von einer schlimmen Angina und der selbstverordneten Medikation nimmt die Reise immer skurrilere Formen an. Ein Mafioso-Militarist zwingt den beiden gestrandeten Pilgern seine Gastfreundschaft auf. Und wieder heißt es flüchten... Fazit: Entweder man liebt den Reisebericht oder man hasst ihn, alles andere wäre ohnehin zu schade!

Birgit Baustädter, Video-Redakteurin

Ich bin ein ziemlich fixierter Typ was Bücher betrifft: Ein paar Jahre lang nur südamerikanische Autorinnen, ein paar Jahre lang ausschließlich Romane über Afrika und im Moment hat mich die Fantasy gepackt. Also: (fast) ausschließlich Terry Pratchett. Vor dem Schlafengehen, an einem regnerischen tag, am Balkon in der Sonne und eben auch im Urlaub/am Strand/im Hallenbad. Momentan hab ich gerade "Soul Music" in englischer Originalausgabe in Angriff genommen - es geht dabei um die Entstehung der "Musik mit Steinen drin". Sehr zu empfehlen aber auch "Ein gutes Omen" - ein nettes Buch zum Weltuntergang - oder "Die volle Wahrheit" - ein Buch über die Entstehung des Journalismus auf der Scheibenwelt. Wenn ich mal eine Pratchett-Pause mache, passen auch ganz gut Bücher wie "Eat Pray Love" oder der nachfolger "Comitted" (den ich mir in voller Begeisterung nach "Eat Pray Love" am Londoner Flughafen bei der Rückreise aus Marokko gekauft habe, um die nächtliche Wartezeit zu überstehen...

Susi Ebner-Benedikt, Projekte

Ein Muss: das neue Buch von Zeruya Shalev "Für den Rest des Lebens". Das neue Buch von Shalev ist ein Muss für laue Sommernächte: Innerhalb einer jüdischen Kleinfamilie treffen menschliche Existenzen mit ihren Biografien, ihren Träumen, unerfüllten Wünschen und Sehnsüchten aufeinander, versuchen sich zu lösen und zu binden, und finden schlussendlich in dieser Schicksals- und Familiengemeinschaft Antwort auf die Frage, was ihr eigenes Leben ausmacht. Tiefgründig und verschachtelt erzählt, unerwartete Wendungen: ein Buch zum Versinken.

Jetzt nicht mehr ganz so neu, aber zum "Verschlingen": Die "Millenium Trilogie" von Stieg Larsson. Was soll man zu den Büchern sagen: Zweimal verfilmt, Fans pilgern in die Heimatstadt von Stieg Larsson, Bestsellerlisten. Das Original ist und bleibt aber das Beste. Ein Thriller in drei Teilen, wobei der erste für sich steht, zwei und drei eine zusammenhängende Geschichte erzählen. Packend und mitreißend!

Und da das Buch der Bachmannpreisträgerin 2012 noch nicht heraußen ist, ein Must-Have von einem Bachmann-Träger: "Rabenliebe" von Peter Wawerzinek. Der autobiografische Roman des Bachmann-Preisträgers 2010: In der DDR geboren, verbringt er seine Kindheit und Jugend in diversen Heimen und Pflegefamilien. Neben der Aufarbeitung seiner Kindheitserlebnisse nimmt die Suche nach seiner leiblichen Mutter auch im Roman einen hohen Stellenwert ein. Der Schluss wirkt etwas zu flach und anklagend, ein Mangel, der von der großartigen und berührenden Erzählung aber wett gemacht wird.

Wilfried Ladenhauf, Technik

Meine Buchtipps für den Sommer 2012: "Man nehme Silber und Knoblauch, Erde und Salz" von Ursula Timea Rossel und "Filter Bubble - Wie wir im Internet entmündigt werden" von Eli Pariser.

Christina Maier, Chefin vom Dienst

Hm, schwierig, schwierig, nachdem es ja so unglaublich viele tolle Bücher gibt! Prinzipiell immer gute Sommer-Sonne-Strand-und-viel-Zeit-Bücher sind ja historische Schmöker, wie etwa "Der Medicus" von Noah Gordon oder "Die Päpstin" von Donna Woolfolk. So spannend, dass man die Alltagssorgen garantiert vergisst, deswegen: Es gibt nichts besseres für einen langen Tag am Strand oder in der Hängematte! Wer dagegen auch im Urlaub gern auf literarisch "Hochwertiges" setzen will, dem kann ich die Autobiografie von Elias Canetti empfehlen. Alt aber gut und mit allen drei Bänden ist man den Sommer über gut beschäftigt.

Nora Kanzler, Redakteurin

"Das geheime Prinzip der Liebe" von Hélène Grémillon: In diesem Buch verwebt sich das Schicksal von Camille mit der Geschichte der jungen Frau Annie, von der sie zunächst nicht weiß, worin die Verbindung besteht. Annie hat eine wohlhabende Gönnerin, die seit langem vergeblich versucht, schwanger zu werden. Aus Dankbarkeit erklärt sich Annie bereit, ein Kind für sie auszutragen. Doch was gut gemeint war, wird bald zur Quelle von Eifersucht und Hass, und irgendwann ist Annie spurlos verschwunden ... Doch was hat das mit Camille zu tun? Das Buch spielt durchgängig mit mehreren Geheimnissen und bleibt spannend bis zum überraschenden Schluss. Das ist bestimmt kein Männerbuch, aber für Frauen eine herrliche Sommerlektüre.

Und für Männer und Frauen: "Unsichtbar" von Paul Auster. Adam Walker, ein Literaturstudent, möchte Dichter werden. Als ihm der wohlhabende Franzose Rudolf Born Geld zur Gründung einer Literaturzeitschrift anbietet, nimmt Adam gerne an, aber lässt sich außerdem auf eine Beziehung mit Borns Frau ein. Nach und nach wird Adams Angst vor Born immer deutlicher und schließlich begeht der ursprüngliche Gönner vor den Augen Adams einen Mord - eine Tat, die für Adams Leben weit reichende Folgen haben wird. Adams weiterer Lebensweg wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt und auch dieses Buch kann mit einigen Überraschungen aufwarten.

Christian Krammer, Webdesigner

Ich lese zwar schon lange keine Bücher mehr, sondern höre nur noch Hörbücher während des Sports, aber das sollte in diesem Fall keinen Unterschied machen. Mein Tipp wäre jedenfalls "Die Tribute von Panem: Tödliche Spiele". Spannend bis zum Schluss mit zahlreichen Wendungen.

Gesammelt von Gudrun Schaffhauser-List

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