Romandebüts von "Blasmusikpop" bis "Mohr im Hemd"
Im Residenz Verlag erscheint ein "Hausroman" der Salzburgerin Gudrun Seidenauer: Ein Haus erzählt vom Leben in ihm. Die in Wien lebende Linzerin Anna Weidenholzer behauptet in ihrem neuen Roman "Der Winter tut den Fischen gut" und lässt eine arbeitslose Textilfachverkäuferin erzählen. Christine Nöstlinger bietet in ihrer Geschichtensammlung "Liebe macht blind - manche bleiben es" ironischen und liebevollen "Trost und Rat für Frauen in allen Lebenslagen". "Es wäre schön, kein Schriftsteller zu sein", schrieb dagegen Gerhard Amanshauser (1928-2006) in einem seiner Tagebücher. Im September erscheint eine Auswahl, versehen mit einem Nachwort von Daniel Kehlmann, der Amanshauser für "den bedeutendsten unter Österreichs bisher unentdeckten Autoren" hält.
Entdeckungen versprechen aber auch zahlreiche Romandebüts, die für die kommenden Wochen angekündigt werden. Von Teresa Präauer, geb. 1979 in Linz, erscheint bei Wallstein am 6. August "Für den Herrscher aus Übersee", "ein Debütroman über das Fliegen und die Vögel, über einen Großvater und seine geheimnisvolle Japanerin, über Kinderträume und Lebensklugheit, bestechend genau und bilderreich erzählt".
"Staudamm" heißt das Romandebüt der 1970 geborenen Wienerin Ulrike Kotzina, den Picus im August herausbringt - eine Geschichte um Betrug und Verrat unter der schönen Oberfläche des Salzkammergutes. Und noch ein erster Roman bei Picus: "Der potemkinsche Hund" von der 1986 geborenen und derzeit in Odessa lebenden Grazerin Cordula Simon sei eine surreale Geschichte in der Tradition eines Michail Bulgakow, "üppig gefüllt mit ukrainischen Impressionen, bizarren Charakteren und kafkaesken Situationen", meint der Verlag.
Noch mehr Neuerscheinungen
Viel verspricht sich der Verlag Kiepenheuer & Witsch von der 23-jährigen Vea Kaiser und ihrem am 16. August erscheinenden Roman "Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam": "In ihrem Debütroman entfaltet Vea Kaiser mit großer Verve und unwiderstehlichem Witz die Welt des abgeschiedenen alpenländischen Bergdorfes St. Peter am Anger und erzählt die Geschichte einer Familie, die über drei Generationen hinweg auf kuriose Weise der Wissenschaft verfallen ist", heißt es in der Ankündigung: "Dieser Roman wird Sie verzaubern."
Der Journalist und Musiker Martin Horvath, geb 1967 in Wien, legt bei DVA Ende August sein Romandebüt "Mohr im Hemd oder wie ich auszog, die Welt zu retten" vor, eine Geschichte über den 15-jährigen, in einem Wiener Asylbewerberheim wohnenden Ali. Die Präsentation des "unerhört komischen Romans, bei dem einem das Lachen im Halse stecken bleibt", findet am 11. September in der Wiener Hauptbücherei statt.
Zwei Jahre nach ihrem Debüt "Kopf aus den Wolken" erscheint am 21. September Ruth Cerhas zweiter Roman "Zehntelbrüder" über einen jungen Wiener und seine Familienspurensuche bei Eichborn. Ebenfalls ins Familienarchiv führt Philipp Traun (Jahrgang 1976) bei seinem im Amalthea Verlag erscheinenden Zweitling "Bin gesund und guter Dinge".
Der Czernin Verlag hat nicht nur die posthum veröffentlichten Memoiren von Brigitte Schwaiger (1949-2010) in seinem Herbstprogramm ("Wenn Gott tot ist"), sondern auch den zweiten Rock-Rockenschaub-Krimi von Manfred Rebhandl ("Dürre Beweise"). Neue Krimis von Bernhard Aichner ("Leichenspiele"), Edith Kneifl ("Blutiger Sand") und Georg Haderer ("Engel und Dämonen") bringt Haymon.
Dem lukrativen Genre auf ungewöhnliche Weise nähern sich zwei arrivierte heimische Autoren an: Bei Piper erscheint am 10. September "Reise nach Kalino" von Radek Knapp, ein "magischer, auf faszinierende Weise altmodischer Detektivroman" rund um den erfolglosen Detektiv Julius Werkazy, der mit einer Auflage von 30.000 Stück an den Start geht. "Mehr als ein Kriminalroman" ist dagegen "Ein Endsommernachtsalbtraum" von Egyd Gstättner - nämlich eine Krimiparodie aus Hintersiebenbergen. Ebenfalls bei Picus erscheint Sabine M. Grubers neuer Roman: Eine "Beziehungsreise" führt von der Steiermark über Ungarn und die Slowakei bis nach Island und Italien.
Bei Braumüller erscheint im September das zweite Buch des Schauspielers Michael Dangl: "Schöne Aussicht Nr. 16" ist ein Dialog eines älteren Mannes mit einer Frau auf einer Parkbank - als Roman. Dafür erzählt seine Kollegin Maria Happel bei Amalthea aus ihrem Leben und "was bisher geschah": "Das Schnitzel wird umbesetzt" erscheint im September, während Otto Schenk darüber plaudert, "Warum mir so fad ist" - was ihm natürlich keiner glauben wird. Über "Ein Leben für die Kunst" erzählt dagegen Kunstsammlerin Agnes Essl in "Wie ein gewebter Teppich", während Franz Bartolomey, erster Solocellist der Wiener Philharmoniker, in "Was zählt, ist der Augenblick" über drei Generationen Bartolomeys an der Staatsoper berichtet: Musikgeschichte aus erster Hand. Mit dem "A bis Z eines Pianisten" legt Alfred Brendel bei Hanser ein Lesebuch für Klavierliebende vor.
Genrewechsel zum Film: Terminator Arnold Schwarzenegger erzählt in "Total Recall" (Hoffmann & Campe) im Oktober "die wahre Geschichte meines Lebens", bei Hanser Berlin kommt das Buch zum preisgekrönten Film von Michael Haneke: "Liebe" beinhaltet das Drehbuch, Teile des Storyboards, Fotos sowie einen Essay von Georg Seeßlen. Bei Dumont erscheint am 9. Oktober ein Opus Magnum des Fotografen Erich Lessing: "Louvre. Alle Gemälde" zeigt erstmals alle 3.022 ständig ausgestellten Gemälde des berühmten Museums in einem opulenten Bildband.
Mit Luc Bondys bei Zsolnay erscheinendem Gedichtband "Toronto" ist man auch schon fast im Herbst angelangt. Dort warten zwei sehr unterschiedliche Preziosen: Von Zeichner Nicolas Mahler erscheint bei Suhrkamp nach seiner überaus erfolgreichen "Alte Meister"-Version eine weitere Graphic Novel: "Alice in Sussex" vereint in einer freien Bearbeitung Lewis Carrolls berühmtes Buch mit H.C. Artmanns "Frankenstein in Sussex". Und schließlich bringt Christoph Ransmayr am 25. Oktober bei S. Fischer einen "Atlas eines ängstlichen Mannes" heraus - eine "in 70 Episoden durch Kontinente, Zeiten und Seelenlandschaften führende Erzählung", die "in den Schatten der Vulkane Javas" ebenso führt wie "an die Stromschnellen von Mekong und Donau, ins hocharktische Packeis und über die Passhöhen des Himalaya bis zu den entzauberten Inseln der Südsee".














