Entblößungen, eigene und fremde
Die versponnenen, liebenswerten Luftschlösser, die Miranda July 2009 in "Zehn Wahrheiten" erbaute, haben einen fixen Platz auf meinem Nachttisch. Ihr "Es findet dich" (Diogenes) landet auch dort. Die Multikünstlerin skizziert darin nicht mehr fiktive spleenige Charaktere, sondern interviewt echte Menschen, die auch im Pop-Poesie-Album abgebildet sind. Entstanden sind die Porträts im Endkampf zum Drehbuch an "The Future". Gefunden hat sie die Leute über das Kleinzeigenblatt "PennySaver". Sie trifft Pam, die kein Geld für einen Urlaub hat, daher Urlaubsfotoalben Fremder sammelt. Oder Andrew, der keinen Job hat - auch keinen in Aussicht - aber dafür eine Ochsenfrosch-Kaulquappen-Zucht. July hat Talent für Begegnungen mit melancholischen Menschen. Und sie entblößt sich auch ungeniert selbst. "Nur die extra-extra-großen Kondome habe ich letzten Monat entsorgt, nachdem ich mir lange den Kopf darüber zerbrochen hatte, wie ich sie gefahrlos einem Obdachlosen mit extra großem Penis schenken hätte können." JS















