Carmen - zum Steinerweichen
Morgen hat mit Bizets "Carmen" die 13. Großproduktion der Opernfestspiele Premiere im Römersteinbruch St. Margarethen. Regie führt der Grazer Robert Herzl.
Intendant Wolfgang Werner wird die Premierengäste nicht persönlich begrüßen können. Er liegt mit Lungenembolie im Krankenhaus, ist aber schon auf dem Weg der Besserung.
Die letzten Vorbereitungen lagen bei Regisseur Robert Herzl und Bühnenbildner Manfred Waba. 2005 war "Carmen" letztmals im Steinbruch zu sehen, damals in der langen Originalversion. Herzl hingegen hält sich an die Ausgabe von Fritz Oeser. "Georges Bizet", so Herzl, "hatte nach der Uraufführung des Werkes persönlich einen Klavierauszug eingerichtet, den er als ultimative Fassung deklarierte. Wir halten uns an den revidierten Klavierauszug, den Text haben wir zusammengestrichen, denn wer würde schon alle französischen Dialoge verstehen? Außerdem habe ich die Inszenierung natürlich auf den Steinbruch zurechtgeschnitten und im Spanischen Bürgerkrieg angesiedelt. Mit zwei Hauptzielen. Erstens, dem Komponisten gerecht zu werden. Zweitens, das Publikum nicht zu langweilen."
Kleine Überraschung: Tiziana Carraro, die Premierenbesetzung, wird eine blonde Carmen sein ("Eine entschlackte Carmen, ohne Hüftschwung und spanische Attitüde"). Dimitrios Flemotomos, ihr Don José, ist für die nächsten zwei Jahre an die Wiener Staatsoper verpflichtet. Josef Wagner singt in der Premiere den Escamillo, Evelin Novak die Micaela.
Der Regisseur über seine Auffassung der Titelheldin: "Sie ist ein Fantasiegeschöpf von Georges Bizet und hat mit dem Charakter, den Prosper Mérimée in seiner Novelle schuf, nicht viel zu tun. Für mich ist Carmen ein weiblicher Don Giovanni. Sie stellt sich außer die Norm. Gefällt ihr ein Mann, dann nimmt sie ihn. Wenn er ihr nichts bringt, stößt sie ihn wieder weg."
In Wirklichkeit, meint Robert Herzl, kommen sie und Don José nie zusammen: "Sie begreift ihn nicht, er sie nicht. Und das Ende deutet sich relativ früh an. Im zweiten Finale sagt sie: ?Ich weiß, dass du mich töten wirst!' Und er erklärt: ?Uns scheidet nichts als der Tod'."
Für die Schauwerte sorgt der Steinbruch-Profi Manfred Waba. Er präsentiert dem Publikum unter anderem: "Szenen auf einer Hängebrücke in 18 Metern Höhe. Drei Riesenfiguren, die Picassos ?Guernica' nachempfunden sind und in Flammen aufgehen. Eine Stierkampfarena, die sich mit zwei verschiedenen Mechaniken dreht und wendet. Und 3-D-Projektionen beim Einmarsch der Toreros."
Manchmal, sagt Waba, kritisierte man, er würde den Steinbruch zu sehr "verbauen": "Ich habe das aber nicht als Vorwurf, sondern als Anregung betrachtet. Diesmal, hoffe ich, habe ich eine solide Einheit zwischen Steinbruch und Bühnenbild geschaffen."
2013 wartet auf ihn eine besondere Herausforderung: Er soll für das intime Geschehen in Giacomo Puccinis Oper "La Bohème" ein dennoch passendes Bühnenbild in die IMAX-Dimensionen des Steinbruchs von St. Margarethen stellen.
"Carmen" von Georges Bizet im Römersteinbruch St. Margarethen: 11. Juli bis 26. August, jeweils 20.30 Uhr. Karten: Tel. (0 26 80) 420 42. www.ofs.at















