Der See steht unter Strom
Punktlandung eines kleinen Aliens: die zweite Nacht des ausverkauften Urban Art Forms Festivals am Schwarzlsee mit Skrillex, Paul Kalkbrenner und Peaches.

Foto © SABINE HOFFMANNSkrillex' Bühnenshow von hinten (links) und von ganz vorne (rechts oben). Darunter: Paul Kalkbrenner und Peaches
Auch so können Superstars von heute aussehen: Glatze, schlichtes, schwarzes T-Shirt, konzentriert am Laptop stehend - Paul Kalkbrenner wirkt bei seinem Live-Set wie das genaue Gegenteil seiner Fans, die sich die Seele aus dem Leib tanzen. Zwanzig Jahre lang ist der Berliner schon in der Techno-Szene als DJ, später auch Produzent aktiv, vor zwei Jahren wurde er zum Superstar. 107 Wochen hielt sich die mit seinem Bruder Fritz Kalkbrenner (der ebenfalls in Unterpremstätten auftrat) aufgenommene Single "Sky and Sand" in den deutschen Charts, seitdem tritt er selten vor weniger als 10.000 Besuchern auf. Viele tragen Fanshirts mit dem Aufdruck "Paul Kalkbrenner" weiß auf Schwarz. Auf der Bühne hinter ihm ist das Logo "PK" zu sehen, ungefähr fünf Mal so groß wie der Berliner selbst. Die Trademark funktioniert, und Kalkbrenners feiner, unaufgeregter Techno, der ohne Effekthaschereien auskommt, ebenfalls. Ziemlich sympathisch irgendwie.
Wob-Wob-Wunderkind
Kalkbrenners Nachfolger im Hauptabendprogramm kann dafür mit Effekten offenbar einiges anfangen. Skrillex, der Dubstep-Superhype aus Los Angeles, setzt mit seinem Raumschiff zur Landung an und bildet so etwas wie die Antithese zu Kalkbrenner. Er ist laut, rüde - amerikanisch, wenn man so will. Das "Wob-Wob-Wunderkind", über dessen Auftritte sein Mentor Deadmau5 kürzlich im "Rolling Stone" verriet: "Er hat einen Laptop und einen MIDI-Recorder und spielt einfach sein Zeug", peppt seine Show mit aufwendigem Bühnenaufbau und vielen Nebel- und Lichteffekten auf. Was er dahinter so werkt, interessiert im enthusiastischen Publikum allerdings auch niemanden. Die Arbeit eines Elektronik-Musikers findet lange vor dem Konzert statt: Am Abend wird gefeiert - vom ersten Skrillex-Gekreische bis zum sämtliche elektronische Emotionen durchspielenden und schließlich sanft ins mitternächtliche Gelände ausklingenden Hit "Scary Monsters and Nice Sprites". Punktlandung für Skrillex, den kleinen Alien.
Ein weiterer völlig gegensätzlicher Zugang zu elektronischer Musik: Auf der kleinen RBMA-Seebühne gab gleichzeitig die großartige Peaches eine Audienz. Dreckiger, anzüglicher Elektrotrash, im Gegensatz zur Ankündigung durchaus live und nicht in einem DJ-Set dargeboten. Dem dünnen Frauenaufgebot im Lineup hatte sie nicht nur ihre starke Performance entgegenzusetzen - kostümiert als Fruchtbarkeits- (oder Furchtbarkeits-?) Göttin mit Barbieköpfen als Nippel ihrer vielen Kunst-Brüste.
Heiraten oder Sport
Für eine laaange Nacht sorgten Star-DJs wie Stephan Bodzin, Umek, Andy C und Noisia, die auf den beiden Indoor-Bühnen bis sechs Uhr morgens auflegten. Und für ganz und gar nicht langweilige Nachmittage ist auch gesorgt, mit Paddeln, Skaten und Wakeboarding. Unsportliche können vor den "Braualtar" einer Bierfirma treten. Oder vielleicht auch einfach einmal schlafen.






















