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Zuletzt aktualisiert: 07.07.2012 um 20:30 UhrKommentare

Mit feinem Witz in die Schweizer Alpen

Undank und Unschuldsvermutung: Eugène Labiche bei den Südkärntner Sommerspielen.

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"Nur Schwachköpfe sind auf Dauer nicht in der Lage, jene schwere Bürde zu tragen, die man Dankbarkeit nennt." Soweit die Moral von der Geschichte. Der Pariser Fabrikant Perichon kann also letztlich doch seinen beflissenen Lebensretter Armand als Schwiegersohn akzeptieren; und Daniel, dem zweiten, etwas gerisseneren Anwärter auf die Hand der Tochter, für diese Erkenntnis verbal den Kopf waschen.

Wollte man auch gebeugt vor Dankbarkeit für "Die Reise des Herrn Perichon" den Stiftshof Eberndorf verlassen, dann ist festzuhalten: Der dralle Witz trägt heuer eine fein gewobene Weste. Bis auf die "Unschuldsvermutung" hat sich Regisseur Jörg Schlaminger mit aktuellen Bezügen zurückgenommen.

Die typensichere Besetzung erfreut - von Helmuth Lechthalers prägnantem Colonel Mathieu bis zu Gerhard Kusej als Diener Jean, der als Bravourstück die Gepäckstücke im Dutzend auf den Arm nimmt. Dass der unverwüstliche Hans Prilasnig in der Titelrolle mitunter an Frank Stronach erinnert, liegt im Auge des Betrachters. Inszenierte Umbauten und der Gag, die Eintragungen ins Gästebuch als Vorläufer moderner Kommunikation, quasi als SMS des 19. Jahrhunderts, zu interpretieren, fügen sich in das reduzierte Tempo des Abends, der auch ohne die obligate Pause funktioniert hätte.

Weniger ist mehr gilt seit jeher für das Bühnenbild von Hermann Löffler. Der Meister der Andeutung hält diesmal mit einer dezenten schwarzen Verkleidung die kraftvolle Architektur des Stifts auf Distanz. Bahnhof, Terrasse in den Schweizer Alpen, Wohnzimmer werden mit minimalistischen Requisiten definiert.

Was längst von digitalen Anzeigen erledigt wird, transportiert Löffler über einen ausgetüftelten, antiquiert wirkenden Mechanismus. Zudem können sich an dem Hebel die Darsteller abarbeiten: Perichons Tochter Henriette (Simone Jäger) etwa überspielt ihre Nervosität, indem sie vorgibt, Wasser in die Gießkanne zu pumpen.

Ein sorgfältig gemachter, netter Abend, auch eine Reise wert.

USCHI LOIGGE

Die Reise des Herrn Perichon

Südkärntner Sommerspiele im Stiftshof Eberndorf. Aufführungen: jeweils Di., Do. und Fr., 20.30 Uhr. Bis 17. August

Tickets: Tel. 0 42 36 30 04

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