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Zuletzt aktualisiert: 06.07.2012 um 21:41 UhrKommentare

Windige Zeiten für böse Mädchen

Im Klagenfurter ORF-Theater kristallisierte sich am zweiten Lesetag mit Olga Martynova eine erste Favoritin für den Bachmann-Preis heraus.

Foto © KLZ/Hassler

Erst wurde wieder unter den Bäumen im Garten, wo die Biertische Jahr für Jahr mehr werden, geschwitzt. Allerdings schickte 3sat seine Moderatorin Cécile Schortmann für die Moderation der Live-Übertragung nicht wie am Vortag in ein aufblasbares Planschbecken, sondern ließ lässig grüne Stühle mit Bachmann-Zitaten als Deko herumstehen. Und gegen Ende des Wettlesens um den Bachmann-Preis konnte man zusehen, wie die Literatur vom Winde verweht wurde: Die Böen wirbelten nicht nur die Texte quer durch die Gegend, sondern sorgten auch für eine Unterbrechung der Übertragung und zwangen Autoren, Verleger, Lektoren, Journalisten, Kinder, Babys und Hunde (ja, das Wettlesen ist wie ein Familientreffen) zum Wechsel ins Funkhaus - das im Übrigen hervorragend klimatisiert ist.

Hervorragend akklimatisiert hat sich die Jury, die ihre Arbeit nicht als Schaukampf versteht, sondern mit großem Respekt an den Texten arbeitet. Wie kontroversiell dabei Literatur verstanden werden kann, bekam Cornelia Travnicek zu spüren. Die gebürtige St. Pöltnerin las einen Auszug aus ihrem Roman "Junge Hunde", der "selbstsicher und lässig vom Ende der Kindheit" (so Jurorin Meike Feßmann) erzählt. Paul Jandl allerdings fand die Sprache der 25-Jährigen, die zuletzt mit dem Roman "Chucks" reüssierte, "banal und simpel". Nach ihrem Auftritt bei den 36. Tagen der deutschsprachigen Literatur (TDDL) twitterte die studierte Sinologin und Informatikerin: "Lebe noch. Das allein schon ein Erfolg. Mir wurde aber in der Maske versichert, es gäbe keinen geheimen TDDL-Friedhof."

Erste Favoritin

Für den Bachmann-Preis empfahl sich mit Olga Martynova eine andere Dame. Die gebürtige Russin, die im Jahr 1991 knapp 30-jährig nach Deutschland kam, begeisterte die Jury mit ihrem Text "Ich werde sagen: HI!". Sie erzählt von einem jungen Burschen, der seine Ferien bei seinem Onkel und seiner Tante verbringt - übrigens einer von mehreren Texten, die heuer rund um die Pubertät und den Übergang zum Erwachsenwerden kreisen. Marynova, deren Lyrikband "Von Tschwirik und Tschwirka" noch im Sommer bei Droschl erscheint, bekam nicht nur Lob für die gelungene "erotische Aufladung des Textes" (Feßmann), sondern auch für seine "Leichtigkeit" (Hubert Winkels) und den "selbstverständlichen Witz" (Daniela Strigl).

Und eine dritte Dame ließ aufhorchen: Die junge Deutsche Lisa Kränzler erzählt mit "Willste abhauen" eine "Böse-Mädchen-Geschichte über soziale Unterschiede und über Missbrauch auf mehreren Ebenen" (so Meike Feßmann).

Am Samstag geht es um 9.45 Uhr im Klagenfurter ORF-Theater mit dem Schwimmen im Wörtersee weiter, mit Leopold Federmair und Isabella Feimer sind auch zwei österreichische Autoren am Wort. Übrigens wird auch im Wörthersee geschwommen, und zwar nicht nur nach 15 Uhr, wenn der Literaturtross nach getaner Arbeit Richtung See weiterzieht, sondern auch im Namen von Ingeborg Bachmann. Das Wettschwimmen, das seit ein paar Jahren veranstaltet wird, hat im Vorjahr Thorsten Ahrend, Lektor von Bachmann-Preisträgerin Maja Haderlap gewonnen. Das traditionelle Fußballspiel fällt dieses Jahr allerdings aus, weil im Vorjahr zwar die ORF-Mannschaft erschien, die Autoren dem Match aber fernblieben. Dafür laden Tex Rubinowitz und Maik Novotny am Samstag ab 20 Uhr zum "Bachmann Song Contest", einem Quiz rund um Literatur und Musik, in den Lendhafen. Das Rätsel, wer den diesjährigen Bachmann-Preis gewinnt, wird am Sonntag ab 11 Uhr gelöst.


Infos:

Am Samstag wird ab 9.45 Uhr gelesen, 3sat überträgt live. Mit dabei die Österreicher Leopold Federmair und Isabella Feimer.

Publikumspreis: Am Samstag von 15 bis 20 Uhr kann abgestimmt werden unter bachmannpreis.eu.

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