Schell - der diskrete Kavalier und der treue Bruder
Wie eine lose Blattsammlung und teils zu diskret hat Hollywood-Star Maximilian Schell seine Erinnerungen gestaltet. Dennoch ein sehr lesenswertes Buch - wer Interesse für den großen Schauspieler, Regisseur, Dokumentaristen, Weltbürger zeigt, wird hier vielfach fündig.

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Gleich vorweg ein Verbraucherhinweis: Wer sich Schnurren aus der Glamourwelt Hollywoods, Geschichten über Maximilian Schells echte und angedichtete Affären (Soraya etc.) oder wenigstens ein paar Anekdoten über sein Patenkind Angelina Jolie erwartet, wird hier bitter enttäuscht. Maximilian Schell mag zwar ein großer Womanizer sein, aber wohl auch ein sehr diskreter Kavalier.
Der Weltbürger Schell
Wer indes Interesse für den großen Schauspieler, Regisseur, Dokumentaristen, Weltbürger Maximilian Schell zeigt, wird hier vielfach fündig. Viele Seiten sind seiner kulturaffinen Kindheit (der Vater war Schriftsteller, Mutter und ältere Schwester reüssierten als Schauspielerinnen) gewidmet. Prägend war für den kleinen Max die Zeit in der Zürcher Villa Wesendonck, die Kunstgrößen wie Richard Wagner, Johann Wolfgang von Goethe u. a. beherbergt hatte.
Nach einigen Studienwechseln entschied er sich für die Schauspielschule in Basel. Am dortigen Theater debütierte er 1952. Bereits drei Jahre später wurde er vom Kino entdeckt, und nur weitere sechs Jahre später, 1961, war ihm für seine Rolle in Stanley Kramers "Das Urteil von Nürnberg" ein Oscar beschieden. Der wurde das Fundament einer Weltkarriere. In dem Film, der mit Hollywoodgrößen wie Judy Garland, Spencer Tracy, Burt Lancaster, Montgomery Clift, Marlene Dietrich besetzt war, spielte Schell den deutschen Verteidiger von vier deutschen Nazi-Juristen.Mit der Dietrich verband Schell eine lebenslange Beziehung, fast möchte man sagen Freundschaft, sofern das mit der Diva möglich war. Sie hat ihn in Los Angeles manchmal bekocht, er wiederum wollte sich später bei der dann 83-Jährigen mit einem Filmporträt bedanken. Erst in ihrer Pariser Wohnung erfuhr er, dass sie nicht vor die Kamera zu treten gedenke. Dennoch wurde "Marlene" eine beeindruckende Dokumentation. Bei der Wahl seiner Rollen war Maximilian Schell nicht immer wählerisch. Auf seiner Werksliste finden sich mittelmäßige Thriller ebenso wie - vor allem in jüngerer Zeit - sehr triviale Fernsehschnulzen, die er allerdings durch seine bloße Mitwirkung deutlich veredelte.
Ein verlässlichen Bruder
Dennoch glitt er nie ins billige Glitzerparkett ab, seine Korrespondenzen, von Friedrich Dürrenmatt über Rudolf Noelte bis zu Michael Jackson, dokumentieren einen hochintelligenten, politisch interessierten, weltoffenen Maximilian Schell. Und einen verlässlichen Bruder: Als seine Schwester Maria, schon schwer dement, stark über ihre Verhältnisse gelebt hatte, verkaufte Maximilian seine Kunstsammlung, um das Defizit zu decken. Heute lebt er auf dem ehedem gemeinsamen Anwesen auf der Alm nahe dem Kärntner Weiler Preitenegg. Das wunderbare Buch mit seinen zahllosen Details hat eine ärgerliche Seite: Die eingangs erwähnte Diskretion drückt sich auch in einem extremen Mangel an Bildunterschriften aus, was den Leser oft ratlos macht.
Da aber eigener Aussage nach auf der Alm noch 150 Kisten mit Notizen lagern, kann Maximilian Schell beim nächsten Buch hier mehr Gnade walten lassen.
Features
Steckbrief
Maximilian Schell, geboren am 8. Dezember 1930 in Wien.
Schauspielstudium in Basel, Bühnendebüt ebenda.
Filme: Das Urteil von Nürnberg (Oscar Bester Hauptdarsteller), Topkapi, Die Akte Odessa, Das Schloss, Steiner - Das eiserne Kreuz, Deep Impact, diverse TV-Mehrteiler etc.
Regie: Erste Liebe, Marlene, Meine Schwester Maria etc.
Preise: Oscar, Golden Globe, Bambi, Platin Romy, Premio Roma, Deutscher Filmpreis etc.















